• „Ohne Tierarzneimittel kein Tier- und Verbraucherschutz“,

    so Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des Bundesverbandes für Tiergesundheit e.V. 

01.03.2009

Welche Würmer gefährden mein Tier?

Natürlich gibt es weltweit Hunderte von verschiedenen Wurmarten. Diese spielen für Ihr Tier aber nicht alle eine Rolle. Sinnvoll ist es vielmehr, sich auf die Würmer zu konzentrieren, die hierzulande verbreitet sind, die dem Tier erheblichen Schaden zufügen oder auf den Menschen übergehen können. In Deutschland sind dies bei Hund und Katze vor allem: die Spulwürmer Toxocara canis (Hund) und Toxocara cati (Katze) sowie Hakenwürmer oder Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis).

Spul- & Hakenwürmer
Spulwürmer und Hakenwürmer kommen bei Hunden und Katzen aller Altersstufen vor. Welpen können sich bereits über die Muttermilch anstecken, bei Hundewelpen ist sogar eine Übertragung im Mutterleib möglich. Später stecken sich Hund und Katze an, indem sie Wurmeier, die von anderen Tieren mit dem Kot ausgeschieden wurden, aufnehmen. Möglich ist dies bei allen Tieren, nicht nur bei solchen, die freien Auslauf haben. So hat eine Untersuchung der Tierärztlichen Hochschule Hannover gezeigt, dass 20 Prozent aller Katzen, bei denen ein Befall mit Spulwürmern nachgewiesen wurde, reine Wohnungskatzen sind. Dies weist darauf hin, dass infektiöse Wurmeier aus dem Freien durchaus auch in die Wohnungen getragen werden, beispielsweise über Fußmatte und Schuhe.

Spul- und Hakenwürmer können von Hund und Katze übrigens auch auf den Menschen übergehen. Nimmt ein Mensch infektiöse Eier bestimmter Spulwurmarten auf, kann es zu einer Wanderung der Larven in Gewebe und Organen des Menschen kommen, wodurch Nervenbahnen, Auge und/oder Gehirn Schaden nehmen können. Umso wichtiger ist es, Maßnahmen zu ergreifen, die ein Ausscheiden von Spulwurmeiern bei Hund und Katze eindämmen.

Bandwürmer
Der Hundebandwurm kommt beim Hund, der Fuchsbandwurm vor allem beim Hund, aber auch bei der Katze vor. Auch diese Bandwürmer können auf den Menschen übertragen werden, wenn dieser Bandwurmeier aufnimmt, die ein Tier mit dem Kot ausscheidet oder in seinem Fell trägt. Infolge dessen kann es beim Menschen zu einer gefährlichen Zystenbildung in der Leber und/oder anderen Organen kommen, die aufwändig behandelt werden müssen und im Falle des Fuchsbandwurms sogar zum Tode führen können.

Hund und Katze stecken sich mit dem Fuchsbandwurm an, indem sie wilde Nagetiere fressen, die entsprechende Bandwurmstadien in sich tragen. Die Gefahr einer Infektion mit dem Hundebandwurm ist vor allem dann gegeben, wenn Hunde mit rohem Fleisch, insbesondere Innereien wie Lunge oder Leber ernährt werden. (siehe auch Absatz Konkrete Empfehlungen zur Entwurmung).

Individuelles Risiko
Aufgrund der verschiedenen Ansteckungswege bei Spul-, Haken- und Bandwürmern ist das Risiko für einen Wurmbefall je nach Alter, Haltungsform, Ernährung und Nutzung von Hund und Katze unterschiedlich hoch. So haben zum Beispiel Hunde und Katzen mit unbeaufsichtigtem Auslauf oder Tiere, die in Zwingern, Zuchten oder Tierheimen leben, die zur Jagd genutzt oder gemeinsam mit anderen Tieren gehalten werden, ein höheres Risiko als Tiere, die einzeln im Haus gehalten werden und kontrollierten oder gar keinen Auslauf haben. Lassen Sie sich in Ihrer Tierarztpraxis beraten, wie gefährdet Ihr Vierbeiner ist und welche Gegenmaßnahmen empfohlen sind.

Konkrete Empfehlungen zur Entwurmung
Als Orientierung für einen effektiven Schutz vor einem Wurmbefall gilt Folgendes:

Hundewelpen sollten beginnend im Alter von 2 Wochen, Katzenwelpen im Alter von 3 Wochen gegen Spulwürmer entwurmt werden. Anschließend wird die Behandlung in 2-wöchigen Abständen bis 2 Wochen nach Aufnahme der letzten Muttermilch wiederholt.

Säugende Hündinnen und Katzen sollten gleichzeitig mit der ersten Behandlung ihrer Jungen gegen Spulwürmer behandelt werden. Trächtige Hündinnen können um den 50. Tag Trächtigkeitstag einmalig oder ab dem 40. Trächtigkeitstag täglich – abhängig vom Präparat - gegen Spulwürmer behandelt werden, um eine Infektion der Welpen im Mutterleib zu verhindern.

Erwachsene Hunde und Katzen:
Hunde, die rohes Fleisch, insbesondere Innereien wie Leber und Lunge erhalten, das zuvor nicht ausreichend erhitzt (10 Min., Kerntemperatur 65° C) oder gefroren (1 Woche, -17° bis -20° C) wurde, sollten alle sechs Wochen gegen Bandwürmer behandelt werden. Für Hunde und Katzen, die regelmäßig unbeaufsichtigten Auslauf haben, wilde Nagetiere oder Aas fressen oder zur Jagd geführt werden, wird eine monatliche Entwurmung gegen Bandwürmer empfohlen.
Für den Schutz vor Spulwürmern muss das individuelle Risiko durch den Tierarzt eingeschätzt und anhand dessen Art und Häufigkeit der Maßnahmen festgelegt werden. Die Situation eines einzelnen Tieres kann nur über Kotuntersuchungen exakt ermittelt werden, alles andere ist lediglich eine Schätzung.
Kann das individuelle Risiko eines Tieres nicht eingeordnet werden, sind mindestens vier Behandlungen pro Jahr zu empfehlen. Studien haben gezeigt, dass eine 1-2-malige Behandlung pro Jahr im Durchschnitt keinen ausreichenden Schutz bietet.

In Einzelfällen kann eine monatliche Entwurmung gegen Spulwürmer sinnvoll sein (beispielsweise bei engem Kontakt des Tieres mit Kleinkindern). Damit wird ein Ausscheiden infektiöser Spulwurmeier, an denen sich der Mensch anstecken kann, weitgehend ausgeschlossen.

Tipp: Kommen Infektionen mit Spul-, Haken- und Bandwürmern vor, kann die Behandlung gegen diese Wurmarten kombiniert in einer Entwurmung vorgenommen werden.

Hygiene im Alltag
Gleichzeitig sollten Sie im Alltag auf konsequente Hygiene achten. Denn neben den tierärztlich verordneten Maßnahmen ist auch die gewissenhafte Beseitigung und Entsorgung von Hunde- und Katzenkot wichtig. Der Kot sollte beim Spaziergang wie auch im Garten täglich aufgesammelt und in einem verschlossenen Tütchen über den Hausmüll entsorgt werden. Auf keinen Fall sollte man ihn in der Toilette hinunterspülen oder auf den Kompost geben. Da es bei freilaufenden Katzen und Hunden nahezu unmöglich ist, den Kot aufzusammeln, muss die Entwurmung bzw. Kontrolle bei diesen Tieren besonders sorgfältig vorgenommen werden.

Kotuntersuchung als Alternative zur Entwurmung
Alternativ zur Entwurmung können Kotuntersuchungen vorgenommen werden. Allerdings wird damit nicht sicher verhindert, dass zwischen den Untersuchungen über mehrere Wochen infektiöse Wurmeier ausgeschieden werden können. Ziel ist es, auf diesem Weg festzustellen, ob ein Tier Würmer hat. Finden sich Hinweise auf einen Wurmbefall, wird das Tier behandelt. Finden sich keine, kann an dieser Stelle auf eine Entwurmung verzichtet werden. Wichtig ist, dass die Kotuntersuchungen regelmäßig (genau so oft wie die empfohlenen Entwurmungen) durchgeführt werden und die zu untersuchende Kotprobe (mindestens vier Gramm) über drei Tage hinweg gesammelt wird.

Gefahren im Ausland
Für Hunde und Katzen, die ins Ausland reisen oder von dort nach Deutschland gebracht werden, bestehen unter Umständen zusätzliche Risiken, sich mit Würmern zu infizieren. In südlichen Reiseländern besteht zum Beispiel die Gefahr einer Infektion mit Herzwürmern. Tierhalter sollten sich daher vor der Reise bzw. Einfuhr des Tieres von der Tierarztpraxis eingehend beraten lassen.

Quelle: www.esccap.de/parasiten/wuermer/


Abdruck

Abdruck Text und Foto
(nur in Verbindung mit dieser Meldung)
honorarfrei bei Quellenangabe.

Weitere Informationen:
Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
Dr. Sabine Schüller
E-Mail bft@bft-online.de