• „Ohne Tierarzneimittel kein Tier- und Verbraucherschutz“,

    so Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des Bundesverbandes für Tiergesundheit e.V. 

17.02.2011

Start in ein gesundes Hunde- und Katzenleben

Die Impfung ist eine wirksame Prophylaxe bei Infektionskrankheiten bei Hund und Katze. Gegen nahezu jede gefährliche Infektionskrankheit können Hunde- und Katzenwelpen heute sehr verträglich geimpft werden. Die Impfung ist deshalb aus Gründen des Tierschutzes unverzichtbar. Zur Welpenvorsorge gehört auch die rechtzeitige Parasitenbekämpfung. Vor allem Darmparasiten - das sind meist Haken- und Spulwürmer - können massive Erkrankungen hervorrufen. Auch Lungenwürmer können besonders bei Jungtieren schwere Erkrankungen auslösen. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Hunden und Katzen durch einen Wurmbefall werden vielfach unterschätzt. Wie stark Organismus und Immunsystem beansprucht werden, zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass es bei einem Spulwurmbefall nicht selten zu einer Veränderung im Blutbild kommt. Weiße Blutkörperchen, die der Immunabwehr dienen, treten dann vermehrt auf. Auch leberspezifische Enzyme können erhöht sein. Aus diesem Grund sollten Hunde und Katzen bei einer Impfung keinen akuten Wurmbefall haben, da die notwendige Immunantwort auf die Impfung sonst gestört werden und die Impfung weniger wirksam sein könnte. Wurmkur und Impfkonzept gehören deshalb zusammen.

Welche Impfstoffe gibt es?
Impfstoffe stehen gegen Viren, Bakterien, Pilze und einige einzellige Parasiten zur Verfügung. Es gibt zwei Impfstoffklassen - die sogenannten “Lebendvakzinen” und “Totvakzinen”.

Lebendvakzinen: Lebendvakzinen basieren auf vermehrungsfähigen Erregern. In den meisten Fällen handelt es sich um Viren, die derart verändert worden sind, dass sie sich zwar im Wirt vermehren, aber keine Krankheit mehr verursachen können. Sie sind avirulent geworden. Das Impfvirus vermehrt sich im Wirt, verteilt sich im Organismus und wird auch ausgeschieden. Eine Impfung ähnelt in diesem Fall daher einer Feldvirusinfektion. Deshalb ist auch generell die Immunität nach einer Impfung mit Lebendvakzinen sehr gut.

Totvakzinen (inaktivierte Vakzinen): Die Erreger in inaktivierten Vakzinen sind abgetötet und können sich nicht mehr im Impfling vermehren. Aber sie lösen ebenfalls eine Abwehrreaktion (Immunreaktion) aus. Da sich die Erreger nicht vermehren können, ist die injizierte Menge auch gleichzeitig das Maximum, gegen das der Impfling reagieren kann. Die Immunantwort ist aus diesen Gründen in aller Regel schwächer ausgeprägt als bei einer Lebendvakzine. Die Immunität kann jedoch mit Wiederholungsimpfungen aufgefrischt werden.

Wie soll geimpft werden?
Man unterscheidet die Grundimmunisierung im ersten Lebensjahr und die Wiederholungsimpfungen, die meist in jährlichen Abständen durchgeführt werden. Die Zielsetzung dieser Impfungen ist grundsätzlich verschieden. Die Grundimmunisierung stellt den ersten Kontakt mit dem Erreger oder seinen Bestandteilen dar und besteht in aller Regel aus mehreren aufeinanderfolgenden Impfungen in den ersten Lebenswochen des Welpen. Sie prägt die Immunzellen für das Antigen und legt den Grundstein für eine belastbare Immunität. Bei Verabreichung einer inaktivierten Vakzine kann die Höhe der Immunantwort (Antikörperantwort) gesteigert werden, wenn ein zweiter Kontakt mit den Virusbestandteilen etwa drei bis vier Wochen später erfolgt. Dies ist der Grund, warum die zweite Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung unbedingt durchgeführt werden muss und genauso wichtig ist wie die erste Impfung. Die Wiederholungsimpfung soll dagegen einen bereits bestehenden Impfschutz auffrischen. Die Einhaltung der Jahresfrist auf den Tag oder die Woche genau ist für den Impfschutz dabei nicht entscheidend und die Empfehlungen variieren hier je nach Erreger und Impfstoffhersteller. Bei der Tollwutimpfung ist jedoch aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen, beispielsweise bei Reisen mit dem Tier, unbedingt auf die Einhaltung vorgegebener Fristen zu achten.

Ein besonderes Problem bei der Grundimmunisierung ist die Wahl des optimalen Zeitpunktes für die erste Impfung. Der Welpe ist in den ersten Lebenswochen nämlich durch Antikörper geschützt, die er über die Muttermilch aufgenommen hat. Diese Eiweißstoffe schützen ihn gegen die verschiedensten Krankheitserreger, werden aber im Laufe der ersten Lebenswochen abgebaut. Da sie jedoch den Erfolg einer Impfung stören können, gilt es also einen Zeitpunkt zu finden, an dem einerseits diese Antikörperspiegel schon so niedrig sind, dass sie eine Impfung nicht mehr behindern, andererseits aber muss die Impfung so früh wie möglich erfolgen, damit der Welpe nur einen minimalen Zeitraum ungeschützt ist.

Impfempfehlungen für Hunde
Nach der "Leitlinie zur Impfung von Kleintieren" (StlKo Vet.) sollten Hunde in Deutschland grundsätzlich gegen ansteckende Leberentzündung, Leptospirose, Parvovirose, Staupe und Tollwut geimpft werden (Pflichtimpfungen, Core-Komponenten). Individuell können je nach regionalen Gegebenheiten und/oder Haltungsbedingungen noch weitere Impfungen wie beispielsweise gegen canines Parainfluenzavirus 1, canines Herpesvirus (CHV-1), canines Coronavirus, Bordetella bronchiseptica, Borrelienarten, Babesia canis sowie gegen Dermatophyten und Mikrosporidien ratsam sein (Wahlimpfungen, Non-Core-Komponenten). Die Erstimpfung nimmt der Tierarzt in der 8. Lebenswoche (außer Tollwut) vor. Danach sind noch drei weitere Impfungen in der 12. und 16. Lebenswoche sowie im 15. Lebensmonat notwendig, denen auch der Tollwutimpfstoff zugefügt werden kann. Danach ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Mit regelmäßigen Wiederholungsimpfungen ist dann das Rundum-Sorglos-Paket für ein ganzes Hundeleben geschnürt.

Impfempfehlungen für Katzen
Nach der "Leitlinie zur Impfung von Kleintieren" (StlKO Vet.) sollten Katzen in Deutschland grundsätzlich gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen geimpft werden (Core-Komponenten). Zur Sicherheit der Katze und zur eigenen Sicherheit empfiehlt sich bei Freigängerkatzen auch eine Impfung gegen Tollwut. Je nach Lebensumständen und aktueller Seuchenlage können auch Impfungen gegen Bordetella bronchiseptica, Chlamydien, Feline Infektöse Peritonitis (FIP) und Leukose sinnvoll sein (Non-Core-Komponenten). Die Erstimpfung nimmt der Tierarzt in der 8. Lebenswoche vor. Danach sind drei weitere Impfungen in der 12. und 16. Lebenswoche sowie im 15. Lebensmonat notwendig. Danach ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Mit regelmäßigen Wiederholungsimpfungen ist dann das Rundum-Sorglos-Paket für ein ganzes Katzenleben geschnürt.

Auch deshalb ist das Impfen so wichtig
Impfungen sind aber nicht nur für Einzeltiere wichtig. In jeder Tierpopulation müssen mindesten 70 Prozent der Tiere geimpft sein, damit sich Infektionskrankheiten nicht zu einer Epidemie ausweiten können. Jedoch verfügen nur die Hälfte aller deutschen Hunde und ein Drittel aller Katzen noch über einen ausreichenden Impfschutz. Eine gefährliche Entwicklung, denn wird nicht mehr geimpft, können sich Infektionserreger in der großen Zahl empfänglicher Tiere ungehindert verbreiten.

Welche Wurmkuren sind unverzichtbar?
Natürlich gibt es weltweit Hunderte von verschiedenen Wurmarten. Sinnvoll ist es, sich auf die Würmer zu konzentrieren, die hierzulande verbreitet sind, die dem Tier erheblichen Schaden zufügen oder auf den Menschen übergehen können. In Deutschland sind dies bei Hund und Katze vor allem die Spulwürmer Toxocara canis (Hund) und Toxocara cati (Katze) sowie Hakenwürmer. Katzen- und Hundewelpen können sich bereits über die Muttermilch massiv mit Spulwürmern anstecken. Bei Hundewelpen ist eine Übertragung von Spulwürmern sogar schon im Mutterleib möglich. Als Orientierung für einen effektiven Schutz vor einem Wurmbefall empfiehlt das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) Folgendes:

Hundewelpen sollten beginnend im Alter von zwei Wochen, Katzenwelpen im Alter von drei Wochen gegen Spulwürmer entwurmt werden. Anschließend wird die Behandlung in zweiwöchigen Abständen bis zwei Wochen nach Aufnahme der letzten Muttermilch wiederholt. Säugende Hündinnen und Katzen sollten gleichzeitig mit der ersten Behandlung ihrer Jungen gegen Spulwürmer behandelt werden. Für die Behandlung trächtiger Hündinnen mit dem Ziel, eine Wurminfektion der Welpen im Mutterleib zu verhindern, gibt es in Deutschland keine zugelassenen Präparate. Ein Schutz der Welpen konnte jedoch beispielsweise nachgewiesen werden mit der zweimaligen Anwendung bestimmter Wurmkuren um den 40. und 55. Trächtigkeitstag beziehungsweise der täglichen Anwendung anderer ausgewählter Wurmkuren ab dem 40. Trächtigkeitstag. Im neuen Zuhause entscheidet dann die individuelle Haltungsform über die empfohlene Häufigkeit weiterer Entwurmungen beziehungsweise Untersuchungen von Kotproben.

Weiterführende Informationen:

AfT-Symposium "Virale Infektionskrankheiten bei der Katze":
http://www.aft-online.net/fileadmin/aft/downloads/abstracts/Herbstsymposium-2010-abstracts.pdf

Leitlinie zur Impfung von Kleintieren:
http://www.dvg.net/fileadmin/Bilder/DVG/PDF/Impfleitlinie-Endversion_Beilage_DTB_08-09.pdf

Wurmbefall:
http://www.esccap.de/news/archiv/kategorie/wuermer/

 


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Weitere Informationen:
Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
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