• „Ohne Tierarzneimittel kein Tier- und Verbraucherschutz“,

    so Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des Bundesverbandes für Tiergesundheit e.V. 

26.03.2013

Die Augen - ein empfindliches Sinnesorgan

Ein gesundes Hundeauge verfügt über viele Schutzmechanismen. So sitzt der Augapfel umgeben von einer Fettschicht tief in der Knochenhöhle des Hundekopfes und wird durch die beiden Augenlider geschützt. Wimpern werden als Schutz vor dem Kontakt mit Fremdkörpern für den Augapfel benötigt. Das dritte Augenlid, Nickhaut genannt, wischt, vergleichbar wie ein Scheibenwischer beim Auto, Schmutzpartikel von der Hornhaut. Die Hornhaut ist die feste, transparente Augenoberfläche. Die klare Tränenflüssigkeit schützt das Hundeauge vor Infektionen, beugt dem Austrocknen vor und sichert somit eine klare Sicht für die Hundeaugen. Dennoch bleibt das Auge ein empfindliches Sinnesorgan und ist durch seine exponierte Lage im Schädel einer Vielzahl äußerer Einflüsse ausgesetzt, die auch Augenerkrankungen hervorrufen können.

 

Welche Augenerkrankungen gibt es?

Die Palette der Krankheiten ist groß, ihre Diagnose oft kompliziert, weil die Symptome nicht immer sehr spezifisch sind. Es gibt sogar Augenerkrankungen beim Hund, die keinerlei äußere Veränderungen verursachen. Bestimmte Symptome oder ungewöhnliche Verhaltensweisen des Hundes können aber erste Hinweise auf Augenprobleme geben. Dazu gehören z.B. eine verstärkte Reizbarkeit oder Appetitlosigkeit des Hundes sowie eine ungewohnte Berührungs- oder Lichtempfindlichkeit. Der Hund kneift häufig die Augen zusammen oder reibt sich diese mit der Pfote - auch dies können wichtige Hinweise sein. Eindeutiger sind ein verstärkter Tränenfluss, gerötete Bindehäute oder eine Hornhauttrübung. Gut erkennbar sind offene Verletzungen oder Fremdkörper im Auge.

 

Einige wichtige Augenerkrankungen

Eine der häufigsten Augenerkrankungen ist die Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Sie kann durch Zugluft, Staub oder andere Fremdkörper im Auge sowie Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen hervorgerufen werden.

 

Hunde können auch an Grauem und Grünem Star (Katarakt und Glaukom) erkranken. Der Graue Star ist eine Eintrübung der Linse, die vor allem bei alten Hunden auftritt. Auch Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann die Ursache sein. Der Graue Star kann bis zur völligen Erblindung führen. Bei rechtzeitiger Diagnose kann die Linse operativ durch eine neue ersetzt werden. Ein Glaukom (Grüner Star) ist angeboren oder die Folge einer Entzündung oder eines Augentumors. Unabhängig von der Ursache führt Glaukom zu einer schmerzhaften Erhöhung des Augen-Innendruckes.

 

Ein nach außen gerolltes Augenlid (Hängelid oder Ektropium) kann zu einer chronischen Bindehautentzündung führen. Man sieht diese Krankheit häufig bei Boxern und Bassets.

 

Ein Roll-Lid (Entropium) erkennt man an den nach innen eingerollten Lidern. Meist ist das Roll-Lid angeboren, i.d.R. ist das Unterlid betroffen. Dadurch reiben die Wimpern am Augapfel, was für den betroffenen Hund sehr unangenehm ist. Die Symptome gleichen denjenigen der Bindehautentzündung.

 

Eine Linsenloslösung (Luxatio lentis oder Linsenluxation) wird meist durch eine Verletzung oder Entzündung hervorgerufen, kann aber auch vererbt werden. Betroffen sind häufig Terrierrassen.

 

Eine angeborene Krankheit ist die Collie Augen Anomalie (CEA Collie Eye Anomalie), die vor allem bei den Rassen Collie und Sheltie auftritt. Es handelt sich um eine vererbte Entwicklungsstörung der Netzhaut. Auch die Progressive Retinaatrophie (PRA) ist erblich bedingt. Sie kommt bei vielen Rassen vor, beispielsweise bei Golden Retriever, Labrador, Cocker Spaniel oder Border Collie. Es ist eine Erkrankung der Netzhaut, die kaum behandelbar ist. Am Ende steht die vollständige Erblindung des Hundes. PRA und CEA können mittels Gentests diagnostiziert werden. Bei den betroffenen Rassen sollte man darauf achten, dass die Elterntiere getestet sind.

 

Bei einer Netzhautdysplasie (RD) handelt es sich um eine angeborene Erkrankung, bei der sich die Netzhaut ablöst. Je nach Ausprägung führt sie zur Teilerblindung oder zum vollständigen Sehkraftverlust.

 

Der Begriff Autoimmunerkrankungen ist ein Sammelbegriff für Krankheiten, die durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe hervorgerufen werden. Vermutlich handelt es sich dabei um eine fehlerhafte Prägung des Immunsystems. Dadurch erkennt das Immunsystem körpereigenes Gewebe irrtümlich als körperfremd und bekämpft es. Es gibt zwei Ausprägungen dieser Erkrankung.

1. Trockenes Auge (Keratokonjunktivitis sicca)

Es können Hunde jeden Alters und aller Rassen betroffen sein, doch ist eine Disposition bei speziellen Rassen deutlich erkennbar, z. B. Terrierrassen, Spaniel oder Bulldogge. Ein höheres Erkrankungsrisiko weisen außerdem Hunde mit Diabetes mellitus und anderen endokrinologischen Erkrankungen auf.

2. Schäferhundkeratitis oder KSC (Keratitis superficialis chronica).

Die KSC ist besser bekannt unter dem Namen Schäferhundkeratitis, da sie vorwiegend bei Hunden dieser Rasse bzw. Schäferhund-Mischlingen vorkommt. Die Erkrankung bricht vermehrt bei Hunden in einem Alter von drei und fünf/sechs Jahren aus. Besonders häufig werden Ausbrüche in Frühjahr und Sommer beobachtet, was vermutlich mit der erhöhten UV-Licht Belastung in diesen Jahreszeiten zusammenhängt.

 

Rassenunterschiede

Neben den allgemeinen Erkrankungsmöglichkeiten des Auges gibt es bei Hunden und Katzen noch rassespezifische Augenkrankheiten, die durch Kopfform, Lidspaltenform, genetisch bedingte Veranlagung oder erbliche Augenerkrankungen bestimmt werden. Die Vorsorgeuntersuchung auf erbliche Augenerkrankungen wird bereits von vielen Rassehundevereinen für die Zuchterlaubnis verlangt.

 

Erste Hilfe-Tipps

Augenverletzungen sind in der Regel Notfälle und sollten entsprechend unverzüglich behandelt werden. Das bedeutet, dass der Hundehalter im Grunde nichts anderes tun kann, als das Auge abzudecken, z.B. mit einer Mullbinde oder einem feuchten Tuch. Dann muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden.

 

Sehtests

Das Nachlassen des Augenlichtes aus anderen Gründen ist dagegen i.d.R. ein schleichender Prozess. Um eine Verschlechterung der Sehfähigkeit wirklich feststellen zu können, muss ein Tierarzt die Augen untersuchen. Bei Verdacht auf nachlassende Sehkraft (ohne äußere Einwirkung) können Hundehalter aber zu Hause erste, kleine Tests machen, um das Sehvermögen des Hundes zu prüfen. Gut geeignet ist der Wattebauschtest. Hierbei nimmt man einen Wattebausch, setzt sich dem Hund gegenüber und lässt die Watte fallen. Ein gut sehender Hund wird dem lautlos fallenden Wattebausch hinterher schauen. Oder man nimmt ein großes Stück Karton, schneidet zwei Löcher hinein, die den gleichen Abstand und die in etwa gleiche Größe der Augen des Hundes haben. Den Karton hält man nahe vor das Gesicht des Hundes. Dann winkt man mit der Hand langsam über die kleinen Gucklöcher. Ein sehender Hund wird jetzt blinzeln.


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