16.06.2016

Hintergrundinformationen zu Reisekrankheiten

Urlaub mit dem Hund
Urlaub ist die schönste Zeit im Jahr, in der man auf den vierbeinigen Hausgenossen nicht verzichten möchte. Doch Vorsicht ist geboten vor allem bei Reisen in den Süden. Dort können Erkrankungen, die bislang in unseren Regionen unbekannt waren, die Gesundheit des Reisegefährten ernsthaft bedrohen. Zu den wichtigen Krankheiten zählen die Babesiose ("Hundemalaria"), die Ehrlichiose sowie die seltenere Hepatozoonose, die alle durch Zecken übertragen werden. Die Herzwurm-Erkrankung und die Leishmaniose sind zwei weitere, gefährliche, durch Mücken übertragene Krankheiten. Diese Krankheiten spielen auch eine Rolle, wenn beispielsweise Hunde aus den gefährdeten Regionen mit nach Deutschland genommen werden.

Herzwurmkrankheit
Der Erreger der Herzwurmkrankheit ist ein fadenartiger Wurm (Herzwurm oder Dirofilaria immitis), dessen Weibchen bis zu 30 cm und die Männchen bis zu 18 cm lang werden. Die Larven des Herzwurms, auch Mikrofilarien genannt, zirkulieren im Blut des betroffenen Tieres. Überträger der Nematoden ist eine, auch in Deutschland vorkommende Stechmücke aus der Familie der Culicidae. Diese übertragen infektiöse Larven von Hund zu Hund, die sich im betroffenen Tier weiterentwickeln und nach etwa 120 Tagen das Herz erreichen. Die Erkrankung äußert sich je nach Krankheitsstadium in einem Leistungsabfall, durch Husten, erschwerte Atemtätigkeit, häufiges Erbrechen, Gewichts- und Konditionsverlust und eine milde Anämie. Bei schwerer Erkrankung kann es zu Bewusstseinsverlusten, Lebervergrößerungen und Nierenfunktionsstörungen kommen. Diagnostik und Therapie der Herzwurmkrankheit sind schwierig. Mit geeigneten Medikamenten ist jedoch eine relativ einfache und sichere Prophylaxe möglich.

Die Dirofilariose ist in Europa im gesamten Mittelmeerraum, aber auch in Norditalien bis hin zu den Alpen, in der Südschweiz, in Frankreich und in Österreich verbreitet. Auch in großen Teilen von Amerika, Afrika, Südasien, Japan und Australien ist sie anzutreffen. 

Kutane Filariose
Stechmücken übertragen auch den Fadenwurm (Dirofilaria repens), den Erreger einer Hauterkrankung, der so genannten kutanen Filariose. Gefährdete Gebiete sind ebenfalls süd- und osteuropäische Länder. In letzter Zeit wurde Dirofilaria repens auch in Deutschland gelegentlich gefunden. 

Leishmaniose
Eine nur schwer heilbare Zoonose mit teilweise schwerwiegenden Symptomen ist die Leishmaniose, die durch Schmetterlingsmücken (Sandmücken) übertragen wird. Sie ist ebenfalls im Mittelmeerraum, sowie in Asien und Lateinamerika verbreitet. Der bestmögliche Schutz ist es, Tiere möglichst nicht in entsprechende Gebiete mitzunehmen. Ist dieses nicht möglich, ist die vorbeugende Gabe Mücken abwehrender Medikamente das Mittel der Wahl. Seit neuestem steht für den Hund auch ein Impfstoff gegen die Leishmaniose zur Verfügung.

Die Symptome der Leishmaniose sind sehr variabel, während einige Hunde keine klinischen Symptome zeigen erkranken andere schwer. Bei Hunden zeigt sich fast immer die sogenannte "viszerale Form" der Leishmaniose, das bedeutet, dass sich die Erreger in den inneren Organen vermehren. Betroffen sind vor allem die Nieren, aber auch das Knochenmark. Daneben kommt eine sogenannte „kutane" Verlaufsform vor. Zeichen des Befalls sind hier Hautveränderungen mit einer meist nicht-juckenden Dermatitis und Haarausfall (Alopezie) z. B. des Nasenrückens und der Ohrenspitzen sowie periorbitale Alopezie (Brillenbildung), die von großen, leicht fettigen, kreideweißen Schuppen bedeckt ist. Die Inkubationszeit beträgt 3 Monate bis 7 Jahre.

Zecken - eine große Gefahr auf Reisen
Vorbeugende Maßnahmen sind bei den durch Zecken übertragenen Erkrankungen ebenfalls möglich. Die wichtigste Maßnahme ist Zeckenprophylaxe. Auftretende Zecken sollten zudem frühzeitig abgesammelt werden. Folgende Krankheiten werden durch Zecken übertragen.

Babesia (B.) canis
Diese Erkrankung ist aufgrund ähnlicher Symptome auch als Hundemalaria bekannt. Überträger ist die Braune Hundezecke, in Deutschland auch die Auwaldzecke. Symptome sind Gelbsucht (durch hämolytische Anämie/Blutarmut)), eventuell Fieber, Gewichts- und Konditionsverlust, brauner Urin, Milzvergrößerung, eventuell Blutungsneigung (durch Thrombozytopenie). Die Inkubationszeit beträgt 10-21 Tage.

Ehrlichiose
Diese Zoonose ist in ganz Europa verbreitet, der Überträger ist die Braune Hundezecke. Akute Symptome sind Fieber, Apathie, Appetitlosigkeit und Blutungen. Im chronischen Verlauf zeigen sich Abmagerung und Blutungsneigung, vor allem in der Haut und auf Schleimhäuten. Die Inkubationszeit beträgt 5 - 21 Tage.

Hepatozoonose
Hierbei handelt es sich um eine sehr seltene Krankheit, die vor allem im Mittelmeerraum auftritt. Sie wird durch die Braune Hundezecke übertragen, die vom Hund verschluckt wird. Es ist deshalb empfehlenswert, Zecken abzusammeln. Bei gesunden Tieren zeigen sich meist keine Symptome. Grundsätzlich sind aber auch schwere Erkrankungen möglich. 

Speiseröhrenwürmer
Der Speiseröhrenwurm (Spirocerca lupi) ist ein verbreiteter Wurmparasit, der vor allem Hunde, Füchse oder Wölfe befällt. In seltenen Fällen können Infektionen auch bei Katzen beobachtet werden, die sich viel im Freien aufhalten. Ausgewachsene Speiseröhrenwürmer besitzen ein charakteristisches Erscheinungsbild: ihr rötlicher, mitunter blutroter Körper teilt sich in einen oberen, muskulösen und einen unteren, eher drüsigen Teil. Mit einer Länge von 5 cm (Männchen) bis 8 cm (Weibchen) sind Speiseröhrenwürmer verhältnismäßig große Fadenwürmer

Der Speiseröhrenwurm ist in allen subtropischen und tropischen Regionen verbreitet und somit im Mittelmeerraum, im Süden der USA, in Asien und Afrika anzutreffen. Bei Importhunden aus diesen Gebieten besteht auch die Gefahr einer Einschleppung des Parasiten nach Deutschland, denn in manchen Regionen sind 60-80 Prozent der Hunde betroffen. Vereinzelt wurde dieser Parasit auch bei Füchsen in der südlichen Schweiz nachgewiesen. 

Ein Befall mit Speiseröhrenwürmern ist nicht immer leicht zu erkennen. Das hat unterschiedliche Gründe: Ausgewachsene Speiseröhrenwürmer leben in knotenartigen Gebilden meist in der Speiseröhre ihrer Wirte, können aber auch in der Magenschleimhaut oder der Darmwand gefunden werden. Je nachdem wo die Knoten auftreten und wie groß sie sind (bis zu Größe von Taubeneiern!), können beim Hund unterschiedliche Symptome wie z. B. Erbrechen, Schluckbeschwerden oder Atemnot auftreten. Für Welpen, die frühzeitig Larven des Speiseröhrenwurms (Spirocerca lupi) aufnehmen, kann die Wurminfektion tödlich enden. Aber auch ausgewachsene Hunde können in Folge einer Infektion sterben, wenn es durch Verletzungen der Knoten zu inneren Blutungen kommt, oder sich bösartige Knochen- und Bindegewebstumore bilden, die im Zusammenhang mit S. lupi-Infektionen beobachtet werden können.

Wo kann man sich noch informieren?
Zur guten Reisevorbereitung gehören selbstverständlich auch Impfungen, die im EU-Heimtierpass eingetragen werden. Vor allem die Tollwut-Impfung ist ein absolutes Muss bei Reisen mit dem Hund. Für eine Reihe von Ländern werden neben der Tollwutimpfung noch zusätzliche Behandlungen, beispielsweise gegen Bandwurmbefall gefordert. Für Reisen außerhalb der EU sind gegebenenfalls weitere Vorschriften zu beachten. Der Tierarzt kann hier umfangreich informieren.

Informationen und weiterführende Links stellt auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Internet zur Verfügung:

http://www.bmel.de/DE/Tier/HausUndZootiere/Heimtiere/_Texte/Heimtierausweis.html

http://www.bmel.de/DE/Tier/HausUndZootiere/_texte/ReiseplanungTiere.html

Parasiten-Infos: www.esccap.de


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Weitere Informationen:
Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
Dr. Sabine Schüller
E-Mail bft@bft-online.de