29.08.2019

Tollwut – ein Schrecken mit Ende?

Der internationale Tollwut-Tag 2019 am 28. September erinnert daran, dass bei der Bekämpfung dieser Krankheit bereits viel, aber bei weitem noch nicht alles erreicht wurde. Noch immer sterben weltweit Wild- und Haustiere sowie viele Menschen an der heimtückischen Virusinfektion.

In Deutschland hat die Tollwut ihren Schrecken verloren. Seit 2008 gilt gemäß den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) Deutschland offiziell als tollwutfrei. Dies ist über die systematische Bekämpfung bzw. orale Immunisierung der Füchse, die als Hauptüberträger gelten, sowie durch konsequente Impfungen von Haustieren gelungen. Das gilt auch für viele andere, aber nicht alle europäischen Länder. Neben Deutschland haben in Europa auch die Schweiz, Finnland, die Niederlande, Italien, Luxemburg, Frankreich, Belgien, Slowenien sowie die Tschechische Republik durch die orale Immunisierung der Füchse offiziell den Status „tollwutfrei“ (frei von terrestrischer Tollwut*) erlangt. Als frei von terrestrischer Tollwut gelten seit langem auch Spanien (nicht die nordafrikanischen Exklaven Melilla und Ceuta), Portugal, Großbritannien, Irland und die skandinavischen Länder. Auch in Ländern wie Polen, der Slowakei, Ungarn, Estland, Litauen und Lettland wurden in den letzten Jahren nur noch sporadisch Einzelfälle von Tollwut gemeldet. Mit einer weiteren EU Kampagne soll bis 2020 die Tollwut in der EU bei Heim- und Wildtieren ausgerottet sein.

In Westeuropa gingen zuletzt aufgetretene Tollwutfälle beim Menschen auf im Ausland erworbene Infektionen zurück. So gab es 2017 und 2016 in Frankreich jeweils einen importierten Tollwutfall beim Menschen. 2015 kam es in der EU zu keinem Tollwutfall beim Menschen, während für 2014 und 2013 drei bzw. ein Tollwutfall beim Menschen gemeldet wurde. Alle diese sechs Fälle wurden außerhalb der EU erworben. Genannt wurden Sri Lanka, Pakistan, Haiti, Indien, Mali und Marokko. In Norwegen wurde kürzlich ebenfalls ein Todesfall durch Tollwut berichtet, der auf Kontakt zu infizierten Hunden in Asien zurückgeführt wurde. Der letzte Tollwutfall bei einem Menschen in Deutschland trat im Jahr 2007 auf. Es handelte sich um einen Mann, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde.

*von auf dem Boden lebenden Tieren übertragbare Tollwut (Vereinzelt kommen in verschiedenen Ländern, auch in Deutschland, noch Fälle von Fledermaustollwut, die durch andere Virusvarianten verursacht werden vor.)

Weltweit noch von großer Bedeutung

In weiten Teilen der Welt ist die Tollwut aber noch weit verbreitet. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich rund 59.000 Menschen an Tollwut, wobei von einer erheblichen Dunkelziffer, insbesondere in Asien und Afrika, ausgegangen werden kann. Betroffen sind leider überwiegend Kinder unter 15 Jahren. Man geht davon aus, dass noch immer zwei Drittel aller Länder weltweit betroffen sind.

Eine Tollwut-Erkrankung endet immer tödlich, sowohl bei den betroffenen Tieren als auch beim Menschen. Häufigste Ansteckungsursache (95%) für den Menschen ist der Biss eines infizierten Hundes. Die Ausrottung der Tollwut bei Hunden ist deshalb der effektivste und einzige Weg, den Übertragungszyklus der Krankheit von Tier zu Mensch zu beenden. Nicht umsonst ist die Impfung von Hunden weltweit die bevorzugte Methode, die Tollwut in den Griff zu bekommen. Um effektiv zu sein, müssen Impfkampagnen aber mindestens 70 Prozent der Hundepopulation in betroffenen Gebieten erreichen.

Der Weg des Virus

Reservoir und damit potenzielle Überträger der Tollwutviren (Rabiesvirus, Gattung Lyssaviren) sind ausschließlich Säugetiere. In Deutschland waren dies überwiegend Füchse. Es wurden jedoch auch schon infizierte Dachse, Marder und Rehe sowie Weidetiere und Katzen registriert. Nagetiere können das Virus ebenso in sich tragen, stellen aber für den Menschen kein Übertragungsrisiko dar. Andere, mit dem Tollwutvirus verwandte Lyssaviren, die ebenfalls eine Tollwuterkrankung auslösen können, finden sich bei Fledermäusen. Durch Bisse ist es hier ebenfalls schon zu Todesfällen gekommen. Aufgefundene Fledermäuse sollten deshalb grundsätzlich nicht oder nur mit bissfesten Handschuhen angefasst werden, dies gilt auch für tote Tiere.

Tollwütige, wildlebende Tiere verlieren nicht selten zu Beginn der Erkrankung ihre Scheu vor Menschen. Bei einem solchen Verhalten gilt: Abstand wahren, denn die Vermeidung von Bisskontakt bietet den besten Schutz vor einer Übertragung. Diese Verhaltensregel ist für Deutschland nicht mehr relevant, kann aber in von Tollwut betroffenen Ländern nach wie vor sinnvoll sein. Schließlich gibt es Tollwut noch immer in einigen beliebten Reiseländern Südosteuropas sowie zahlreichen Ländern außerhalb der EU.

Der beste Schutz vor Tollwut aber ist und bleibt die Impfung. Dies gilt gerade bei Reisen mit dem Hund. Bei Reisen innerhalb der EU und für die meisten Länder gilt ohnehin eine Tollwut-Impfpflicht. Ohne Impfung, die in den EU-Heimtierausweis eingetragen werden muss, ist eine Einreise erst gar nicht möglich. Dabei gilt es auch bestimmte Impffristen einzuhalten. Bei einer Reiseplanung sollte man dazu den Tierarzt rechtzeitig befragen.

Die Gefahr der Tollwuterkrankung lässt sich bei Reisen mit dem eigenen Hund also weitgehend eliminieren. Eine Gefährdung stellen aber auch illegale Importe von nicht oder nicht vorschriftsgemäß geimpften Hunden aus Ländern, die die Tollwut noch nicht ausgerottet haben, dar. Aus diesem Grund bleibt eine Tollwutimpfung auch für Tiere in Deutschland empfehlenswert, auch wenn diese nicht mehr grundsätzlich zu der Gruppe der Pflichtimpfungen (Core-Impfung) in Deutschland zählt. Hundeimporte sollten ausschließlich über seriöse Tierschutzverbände abgewickelt werden

Der Mensch kann sich schützen

Bei besonderen Expositionen ist die Impfung für Menschen möglich und empfehlenswert. Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) besteht eine berufliche Indikation etwa bei Beschäftigten in Tierarztpraxen, in deren Tätigkeitsgebiet Wildtiertollwut aufgetreten ist, oder für Tierärzte, die bei Impfkampagnen mitarbeiten. Für Personen mit beruflichem Kontakt zu Fledermäusen wird die Impfung ausdrücklich empfohlen. Das Robert Koch-Institut gibt Hinweise wie bei Verdacht auf Kontakt mit einem infizierten Tier vorgegangen werden soll.

Ziele beim weltweiten Kampf gegen die Tollwut

Der Welt-Tollwut-Tag am 28. September möchte unter anderem durch Aufklärungskampagnen und Veranstaltungen auf die gefährliche Zoonose Tollwut aufmerksam machen. Ziel ist es, weltweit die Krankheit zu bekämpfen und die Zahl der Humaninfektionen zu reduzieren. Unterstützt wird der Welt-Tollwut-Tag von zahlreichen Partnern, wie beispielsweise dem deutschen Friedrich-Loeffler-Institut.

Der Welt-Tollwut-Tag findet bereits zum 13. Mal statt. Im Mittelpunkt steht 2019 die Bedeutung der Impfung. Die Ziele sind klar definiert. Weltweit möchte man mit entsprechenden Impfprogrammen für Hunde bis 2030 dafür sorgen, dass kein Mensch mehr an Tollwut durch einen Hundebiss sterben muss. Diese Ziele sind erreichbar. Schätzungsweise reichen nämlich zehn Prozent der verwendeten finanziellen Mittel für Tollwut-Notfallbehandlungen beim Menschen aus, um die Tollwut bei Hunden auszurotten, wenn man diese Gelder den nationalen Veterinärdiensten zur Verfügung stellen würde. Hinter diesen nackten Zahlen stehen 59.000 Menschenleben.

https://www.oie.int/animal-health-in-the-world/rabies-portal/

http://www.missionrabies.com/

  • EU-Ziel 2020 – Ausrottung der Tollwut bei Wildtieren

https://publications.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/4b6072b1-3aab-11e7-a08e-01aa75ed71a1

  • Ziel weltweit 2030 – Eliminierung der Todesfälle durch Hundebisse

https://www.who.int/rabies/resources/9789241513838/en/

  • Informationen zur Tollwut finden Sie hier:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tollwut.html

https://www.zoonosen.net/ZoonosenLexikon/articleType/ArticleView/articleId/1374/Tollwut.aspx

  • Mit Verteilungskarten:

https://www.who-rabies-bulletin.org/site-page/occurrence-rabies


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Weitere Informationen:
Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
Dr. Sabine Schüller
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