26.03.2020

Zecken - ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier

Zecken können sowohl auf Menschen wie auch auf Tiere gefährliche Krankheiten übertragen. Daher sollten Haustiere, bevor sie wieder in die Wohnung kommen auf Zecken untersucht und mit Zecken abwehrenden und abtötenden Maßnahmen geschützt werden. Für die Behandlung sollten ausschließlich Ektoparasitika angewendet werden, die für die zu behandelnde Tierart zugelassen sind. Beim Hund sticht die Zecke bevorzugt in die Schenkel- und Ellbogenfalte, Ohrränder, Schnauze sowie zwischen den Zehen.

Neben der in unseren Breiten gängigsten Zeckenart - dem Holzbock (Ixodes ricinus) - haben sich in den letzten Jahren vermehrt auch andere Zeckenarten bei uns etabliert. Dazu gehören die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und die aus dem Mittelmeerraum stammende Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Letztere hat die unangenehme Eigenschaft, dass sie sich nicht im Wald oder dichtem Gestrüpp aufhält, sondern sich zumeist in Wohnungen und Häusern vermehrt und dort den Winter übersteht. Die meisten Zeckenarten bevorzugen jedoch Waldregionen mit dichtem Unterholz als Lebensraum. Auch Parkanlagen sind oft von Zecken bevölkert und sogar der heimische Garten kann durchaus als Zeckenbiotop dienen. Dort warten sie dann auf ihre Opfer. In den letzten Jahren wurden in Deutschland erstmals auch Exemplare tropischer Zecken der Gattung Hyalomma nachgewiesen. Diese sind deutlich größer als heimische Zeckenarten und können auch exotische Krankheitserreger übertragen.

Die Universität Hohenheim hat 3.500 Exemplare der Gattung Hyalomma untersucht. Die Wissenschaftler geben vorerst Entwarnung mit Blick auf das für den Menschen gefährliche Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber und das Arabisch Hämorrhagische Fieber. Demnach sind die gefürchteten Tropenkrankheiten bislang bei keiner der untersuchten Hyalomma-Zecken nachgewiesen worden. Allerdings trugen knapp ein Drittel dieser Tropenzecken Rickettsien in sich – den Erreger des sogenannten Zecken-Fleckfiebers.

Zecken als Krankheitsüberträger für Haustiere

Der Stich einer Zecke ist praktisch schmerzlos und wird daher in den seltensten Fällen wahrgenommen. Problematisch ist, dass Zecken mit ihrem Stich beziehungsweise während des Blutsaugens auch Krankheitserreger auf Mensch und Tier übertragen können. Alle Katzenbesitzer wissen zum Beispiel, dass ihre Lieblinge Zecken mit nach Hause bringen können. Aber im Gegensatz zu Hunden werden Katzen wesentlich seltener durch Zeckenstiche mit Krankheitserregern infiziert. Die Gründe für dieses Phänomen sind nicht eindeutig geklärt: Möglicherweise ist es die verbesserte Fell- und Körperpflege gegenüber Hunden, so dass Zecken früher beseitigt werden können. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Katze bei ihren Streifzügen seltener die Brutstätten der Zecken (Wald- und Auengebiete) aufsucht. In jedem Fall sind die gefährlichen Infektionen von Mensch und Hund wie Borreliose, Babesiose oder auch FSME bei Katzen nur sehr selten entdeckt worden.

Borreliose

Das Bakterium ist in ganz Europa verbreitet. Auch in Deutschland kommt die Borreliose flächendeckend vor. Die Infektionsrate der Überträgerzecken (Holzbock) ist je nach Gebiet sehr unterschiedlich. Nach Schätzungen sind stellenweise bis zu 50 Prozent der Zecken infiziert. Die Infektionserreger sind Borrelia-Bakterien. Die Bakterien breiten sich nach dem Zeckenstich über den Blutkreislauf im gesamten Körper des Hundes aus und können Organe, Gelenke und das Nervensystem befallen. Bei Hunden und Katzen verläuft die Borreliose meist ohne ernsthafte Symptome. Allerdings kann der Hund an einer schmerzhaften Arthritis erkranken. Man geht davon aus, dass jeder dritte Hund sich irgendwann in seinem Hundeleben mit dem Erreger infiziert hat und Antikörper gegen Borrelien gebildet hat. Eine Impfung für den Hund gegen die Borreliose ist möglich. Wichtig sind vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung eines Zeckenstichs durch den Holzbock.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Viren ausgelöst, die durch den Stich des Holzbocks übertragen werden. Die Zahl infizierter Zecken in Hochrisikogebieten wird auf etwa ein bis vier Prozent geschätzt. Auch in der Auwaldzecke, die bisher nicht als Überträger galt, wurde das FSME Virus nun nachgewiesen. In allen Gegenden, in denen ein Infektionsrisiko für den Menschen besteht, ist auch der Hund gefährdet. Anders als beim Menschen kommt es bei Hunden nur zu einer Erkrankung, wenn andere schwächende Faktoren hinzukommen. Bisher sind klinische FSME-Fälle nur bei großen Hunderassen beschrieben worden, die unbehandelt meist tödlich verliefen. Dabei kommt es zunächst zu Fieber, bevor neurologische Störungen einsetzen, wie epileptische Anfälle, Übererregbarkeit, Bewusstseinstrübung, Schmerzen, Bewegungsstörungen oder Reflexbeeinträchtigungen. Ein Impfschutz gegen das FSME-Virus wie beim Menschen existiert zurzeit nicht, daher sollten stattdessen vorbeugende Maßnahmen gegen den Zeckenbefall durchgeführt werden.

Babesiose

Eine Krankheit, die bei den Hunden zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Babesiose (auch als Hundemalaria bekannt). Babesia canis ist ein kleiner, einzelliger Parasit, welcher von Zecken während ihrer Blutmahlzeit in die Einstichstelle übertragen wird. Diese Einzeller dringen in rote Blutzellen ein und vermehren sich dort. Dabei gehen die Blutzellen zugrunde und es entstehen Entzündungs- und Abwehrreaktionen, welche für den Hund gefährlich werden können. Befallene Tiere zeigen unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber, Blutarmut und Schwächezustände. Dem Hundebesitzer fallen oft blasse oder gelbe Schleimhäute und dunkelroter bis brauner Urin auf. Es können auch entzündliche Veränderungen der Augen sowie Netzhautablösungen auftreten. Im weiteren Verlauf kann das Zentralnervensystem geschädigt werden. Dann können Bewegungsstörungen und epileptische Anfälle auftreten. Erkrankte Tiere müssen umgehend tierärztlich behandelt werden. Vor noch nicht allzu langer Zeit galt diese Krankheit als typische Reisekrankheit. Das heißt, Hunde, welche in Mittelmeerregionen mitgenommen wurden, erkrankten gelegentlich daran, nachdem sie von den dortigen Zecken gestochen worden waren. Nun sind mit der Auwaldzecke und der Braunen Hundezecke auch bei uns Zeckenarten heimisch geworden, welche als Überträger der Hundebabesien gelten.

Anaplasmose

Die Anaplasmose wird durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum hervorgerufen. Die Erreger befallen weiße Blutzellen und vermehren sich in ihnen. Übertragen werden die Anaplasmen durch den Holzbock (Ixodes ricinus). Grundsätzlich besteht also fast überall die Gefahr einer Übertragung. Krankheitsanzeichen der Anaplasmose beim Hund sind unter anderem plötzlich einsetzendes hohes Fieber, Teilnahmslosigkeit, Gewichtsverlust, Durchfall und Erbrechen, aber auch Gelenkentzündungen und zentralnervöse Störungen. Da oft auch Borreliose-Erreger in den Zecken vorhanden sind, können beide Erregertypen während eines Zeckenstiches in den Hundekörper gelangen. Dies erschwert die Zuordnung der beobachteten Krankheitssymptome. Die Infektion verläuft in der Regel nicht chronisch, kann aber erneut auftauchen, wenn das Immunsystem des Hundes in den Monaten nach der Infektion geschwächt ist. Zur Diagnose und Behandlung muss der Tierarzt aufgesucht werden. Ein Impfschutz gegen Anaplasma-Bakterien existiert zurzeit nicht, daher sollten stattdessen vorbeugende Maßnahmen gegen den Zeckenbefall durchgeführt werden.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose, genauer gesagt das Bakterium Ehrlichia canis, wird nach derzeitigem Wissensstand in Europa nur von der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen. Diese ist ab Zentralfrankreich südwärts im Mittelmeerraum sowie in Portugal heimisch. Ein besonderes Risiko geht deshalb von Zecken aus, die aus einem südlichen Urlaubsland als unerwünschtes Souvenir mitgebracht werden. Sie können monatelang in warmen Verstecken etwa in der Garage oder Wohnhäusern überleben. Die Ehrlichien befallen weiße Blutzellen, in denen sie sich vermehren. Eine Ehrlichiose beginnt beim Hund meist "schleichend" und es kann mitunter Jahre dauern, bis die Krankheit ausbricht. Erkrankte Hunde zeigen zuerst unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit und Fieber. Im weiteren Verlauf der Erkrankung tritt eine erhöhte Blutungsneigung auf, die sich zum Beispiel durch Nasenbluten äußert. Ein Impfschutz gegen Ehrlichia-Bakterien existiert zurzeit nicht, daher sollten stattdessen vorbeugende Maßnahmen gegen den Zeckenbefall durchgeführt werden.

Hepatozoonose

Die Krankheit wird durch den Einzeller Hepatozoon canis ausgelöst, einem Organismus, der nur aus einer Zelle besteht. Die meisten Infektionen bleiben symptomlos, aber es kann zu einem Ausbruch kommen, wenn das Immunsystem des Hundes geschwächt ist, oder bei gleichzeitiger Infektion mit anderen Erregern wie Ehrlichien oder Babesien. Hepatozoonose tritt vor allem bei Hunden auf, die aus Portugal, Südspanien oder von den Kanarischen Inseln stammen. Überträger des Einzellers ist die Braune Hundezecke.

Zeckenparalyse

Das Speichelsekret vieler Zecken, zu denen auch Schildzecken und die Braune Hundezecke gehören, enthält Nervengifte, um das Gewebe beim Zeckenstich zu betäuben. In manchen Fällen, die von der Zeckenart, aber auch von Zustand und Immunsystem des Opfers abhängen, kann das Nervengift eine lähmende Wirkung haben und zur Paralyse führen. Es ist nicht bekannt, welche Faktoren die Ausbildung giftigen Zeckenspeichels beeinflussen. Da viele Zecken eine paralytische Reaktion erzeugen können, kommt die Paralyse prinzipiell überall vor, aber sie wird nur selten beobachtet. Die Symptome bessern sich auch meist schnell, wenn die giftige Zecke entdeckt und entfernt wird.

Was noch zu tun ist!

Zecken sollte man sofort entfernen. Das ist nicht einfach, denn die kleinen Blutsauger sind im Fell von Hund und Katze nur schwer auszumachen. Erst vollgesogene Exemplare, die auf etwa einen Zentimeter Größe heranwachsen, sind mit dem Auge gut zu erkennen. Nahezu unmöglich ist es, die frühen Entwicklungsstadien der Larven und Nymphen zu finden. Doch auch diese stechen schon zu, da sie für jeden Wachstumssprung eine Blutmahlzeit benötigen. Hunde- und Katzenhalter sollten besonderen Wert darauf legen, ihre Tiere mit zeckenabwehrenden und zeckenabtötenden Produkten zu schützen. Dabei sollten die Anwendungshinweise genau beachtet werden. Gegen die Borreliose Erreger, die vom „Gemeinen Holzbock“ übertragen werden, können Hunde auch geimpft werden.


Abdruck

Abdruck Text und Foto
(nur in Verbindung mit dieser Meldung)
honorarfrei bei Quellenangabe.

Weitere Informationen:
Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
Dr. Sabine Schüller
E-Mail bft@bft-online.de