Welttag der Tierimpfung

Prophylaxe schützt Mensch und Tier – Nutztierimpfung mit großer ökonomischer Bedeutung

Seit dem Jahr 2016 ist der 20. April der „Welttag der Tierimpfung“. Damit soll der wichtige Beitrag von vorbeugendem Gesundheitsschutz für Tier und Mensch hervorgehoben werden. Die Welttierärzteorganisation und HealthforAnimals, der weltweite Verband der Tierarzneimittelhersteller, unterstützen den Welttag zur Tierimpfung.
Gegen mehr als 100 verschiedene Tierkrankheiten kann heute bereits durch Impfung vorgebeugt werden – und dies über nahezu alle Tierarten hinweg. Damit leisten die Tiergesundheitsunternehmen einen wesentlichen Beitrag zur Gesunderhaltung von Nutz- und Hobbytieren, zur Produktion sicherer Lebensmittel, zur Tierseuchenbekämpfung und zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung.

Durchschlagende Impferfolge

Es gibt viele Erfolgsgeschichten zu erzählen. So wurde beispielsweise vor 30 Jahren die Aujeszky-Pflichtimpfung bei Schweinen eingeführt, die damals zum ersten Mal mit gendeletierten Markerimpfstoffen durchgeführt werden konnte und letztendlich in Deutschland zur Tilgung der Krankheit geführt hat. In der Folge wurden mit Mykoplasmen-, PRRS- und Circovirus-Impfstoffen beim Schwein neue Prophylaxemaßnahmen erfolgreich eingeführt. Ein weiteres, aktuelles Beispiel ist die extrem schnelle Verfügbarkeit von Blauzungenimpfstoffen nach Ausbruch der Erkrankung in Deutschland.
Außerdem konnten Salmonellose-Fälle beim Menschen um 40 Prozent durch freiwillige und staatliche Impfprogramme bei Legehennen reduziert werden. Insbesondere ist seit dem Jahr 2006 die Zahl der Erkrankungen mit Salmonella enteritidis in Europa rückläufig, was die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) darauf zurückführt, dass die Mitgliedstaaten Salmonellen-Bekämpfungsprogramme in Geflügelpopulationen implementierten. In Deutschland kann darüber hinaus bei Bedarf auch die Impfung gegen S. typhimurium angeordnet werden.
Ein Erfolgsprojekt ohne gleichen ist die Köderimpfung bei Füchsen, mit der es gelungen ist, die Tollwut in weiten Teilen Europas zu tilgen. Ein Meilenstein war auch die erfolgreiche Bekämpfung der Rinderpest. 2011 konnte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bekannt geben, dass die Rinderpest als erste Tierseuche überhaupt weltweit und endgültig durch Impfung ausgerottet ist.

„Verschwendetes“ tierisches Protein

Erkrankungen im Nutztierbereich bilden einen oftmals ökonomisch unterschätzten Schadenskomplex. Global gesehen beziffert die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) die Verluste an tierischem Eiweiß auf 20 Prozent des möglichen Produktionsumfangs. Die Impfung von Nutztieren trägt also wesentlich zur sicheren und nachhaltigen Versorgung mit tierischen Lebensmitteln bei. Darüber hinaus reduziert eine gute Krankheitsvorbeuge die Notwendigkeit der Therapie und in vielen Fällen damit die Anwendung von Antibiotika. Sie dient nicht zuletzt auch dem Tierschutz.

Schutz des Menschen

Wie das Beispiel der Tollwutprävention zeigt, schützt Impfen nicht nur die Tiere selbst, sondern auch den Menschen. Nach Angaben der OIE würde es ausreichen, etwa 70 Prozent der Hundepopulation weltweit zu impfen, um das Risiko einer Tollwutinfektion beim Menschen zu eliminieren. Während die Tollwut heute in Europa sehr selten geworden ist, spielt sie in vielen Teilen der Welt, wie in Asien oder Afrika, noch eine bedeutende Rolle. Weltweit sterben jährlich noch immer mehr als 50.000 Menschen an dieser Krankheit. Infektionen wie die Tollwut sind Zoonosen, d. h. sie können vom Tier auf den Menschen –und umgekehrt – übertragen werden. Schätzungsweise stammen mehr als 60 Prozent aller menschlichen Infektionskrankheiten vom Tier.

Gesundheitsvorsorge für die vierbeinigen Lieblinge

Impfungen sind aber auch die beste Gesundheitsvorsorge für Hund und Katze und andere Klein- und Heimtiere. Viele Krankheiten, die früher unweigerlich zum Tod von Hund und Katze führten, sind in unseren Breitengraden im Prinzip eliminiert. Die bekannteste ist die Tollwut. Aber auch die Staupe oder die Katzenseuche kennen die meisten Tierhalter nur noch vom Hörensagen.

Nicht alle Tiere müssen gegen alle nur erdenklichen Krankheiten geimpft werden. Vielfach hängt die passende Impfstrategie davon ab, wie und wo Hund und Katze leben. Sind etwa Reisen geplant, sind zusätzliche Impfungen empfehlenswert bzw. teilweise auch vorgeschrieben, die in Deutschland nicht notwendig sind. Der Tierarzt kann dazu entsprechend informieren. Er richtet sich nach den Empfehlungen der Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet), die auch für die Tierhalter einsehbar sind. Die Leitlinien unterscheiden sogenannte Core- und Non-Core Impfungen. Core-Impfungen sind aus veterinärmedizinischer Sicht ein absolutes Muss. Darüber hinaus sind die Non-Core-Impfungen als Wahlimpfung zu verstehen.

Derzeit ist auf dem deutschen Markt eine gewisse Impfmüdigkeit, vor allem im Kleintierbereich, festzustellen. Der Welttag der Tierimpfung kann hier dazu beitragen, das Bewusstsein für die Gesundheitsvorbeuge zu stärken.