Die Chance, die gesamte Welt von der Tollwut zu befreien, wird als realistisch eingeschätzt

Die klassische Tollwut konnte in der Europäischen Union mit Hilfe vielfältiger Maßnahmen weitgehend zurückgedrängt werden. Weltweit spielt sie jedoch mit fast 60.000 Todesfällen bei Menschen, insbesondere in Afrika und Asien, noch immer eine bedeutende Rolle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Welttiergesundheitsorganisation (OIE) haben sich gemeinsam mit der „Global Alliance for Rabies Control“ das Ziel gesteckt, bis 2030 die Zoonose vollständig auszurotten. Für Europa soll dieses Ziel schon 2020 erreicht werden.

Die Tollwutbekämpfung in Europa kann zu Recht als Erfolgsmodell bezeichnet werden. Seit 2008 gilt Deutschland wie viele andere west- und mitteleuropäische Länder offiziell als frei von klassischer Tollwut.

Wichtige Bausteine der erfolgreichen Bekämpfungsstrategie sind die Anzeigepflicht, regelmäßige Impfungen von Hunden, Regelungen zum Reiseverkehr und die Tierseuchenüberwachung sowie die flächendeckende Köderimpfung bei Füchsen. Schutzmaßnahmen sind weiterhin notwendig, um eine Wiedereinschleppung der Seuche beispielsweise durch Wildtiere oder illegal eingeführte Hunde aus Tollwutgebieten zu vermeiden. Die Beseitigung der Tollwut ist in Mitgliedstaaten der EU, die gemeinsame Grenzen mit Ländern mit Wild-Tollwut haben, schwieriger. So traten 2012 in Griechenland nach 25 Jahren Tollwutfreiheit wieder Fälle auf, die möglicherweise auf Tollwutgeschehen in angrenzenden Ländern zurückzuführen sind. Gemäß dem Europäischen Zoonosen-Bericht (ECDC/EFSA, 2018) für 2017 behaarte die Tollwut in sylvatischen Reservoiren wie Füchsen (Polen, Ungarn und Serbien) und wurde z.B. in Rumänien auf einen Hund und in Polen auf Katzen übertragen. Auch infizierten sich zwei Ziegen in Ungarn und eine Kuh in Rumänien. Die Europäische Kommission wird aus diesem Grund die erfolgreichen Programme in den EU-Mitgliedstaaten und in Grenzgebieten zu Drittländern weiter unterstützen. 

Man geht davon aus, dass zur sicheren Elimination der Tollwut rund 70 Prozent aller Hunde geimpft sein müssen. Dieser Wert ist beispielsweise in Osteuropa noch nicht erreicht. Hier spricht man von einer Impfabdeckung von 63 Prozent. 

Besondere Herausforderungen sind auch alternative dezentrale Nachweisverfahren sowie die Überwindung logistischer Probleme (fehlende Infrastruktur, Laborkapazitäten, mangelnde Kontrollmöglichkeiten) vor allem in Afrika. 

Die „Verwandten“ der klassischen Tollwut

Tollwut (Rabies) ist eine lebensgefährliche Zoonose. Überträger des klassischen Tollwut-Erregers, des Rabies-Virus aus der Gattung der Lyssa-Viren, sind Säugetiere wie Füchse oder Hunde. Mögliche Überträger mit Vektorkompetenz können auch invasive Spezies wie der Waschbär sein. Neben der klassischen (terrestrischen) Tollwut kommen weltweit auch bei einigen Fledermausarten verwandte Tollwutviren vor. In Europa handelt es sich hier um die Europäischen Fledermaustollwutviren (EBLV) 1 und 2, die auch auf den Menschen übertragen werden können. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern wurde das Vorkommen von verschiedenen Lyssaviren bei Fledermäusen nachgewiesen. Der letzte durch einen Fledermausbiss verursachte humane Todesfall in Europa trat, nach Angaben des Robert-Koch-Institutes - 2002 in Schottland auf.



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Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
Dr. Sabine Schüller
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