West-Nil-Virus: Exotischer Erreger in Europa

Seit 2018 wurde das West-Nil-Virus (WNV) in mehreren deutschen Bundesländern bei zahlreichen Vögeln und Pferden nachgewiesen. Greif- und Eulenarten sowie Sperlingsvögel sind besonders empfänglich. Nur selten überträgt sich das Virus auf Menschen. Dennoch konnte mittlerweile eine solche Virus-Infektion bei drei Patienten nachgewiesen werden. Auch wenn der Großteil der Fälle mild verläuft,  wird es Zeit, diesen zoonotischen Erreger genauer unter die Lupe zu nehmen und aufzuzeigen, warum es wichtig sein kann, sein Pferd durch Impfung zu schützen.

Seit Ende 2009 ist die West-Nil-Infektion bei einem Vogel oder Pferd eine anzeigepflichtige Tierseuche. Eine Infektion mit dem exotischen West-Nil-Virus (WNV) wurde in Deutschland erstmalig Ende August 2018 vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bei einem Bartkauz aus der Region Halle/Saale festgestellt. Es folgten weitere Nachweise bei Vögeln, ein erster tödlich verlaufener Fall einer Infektion bei einem Pferd in Brandenburg und bald darauf auch der erste Verdachtsfall auf eine Übertragung auf den Menschen: Im Sommer 2018 hatte sich ein Tierarzt in Bayern mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Obduktion eines toten Vogels mit dem Virus angesteckt.

Seitdem hat sich das Geschehen fortgesetzt: Ende September 2019 konnte in Deutschland erstmals eine durch Mücken übertragene West-Nil-Virus-Infektion beim Menschen nachgewiesen werden, der sich nach Behandlung glücklicherweise von einer Hirnhautentzündung  wieder erholen konnte. Aktuell sind zwei weitere Fälle von WNV-Infektionen in Berlin und Sachsen-Anhalt gemeldet. Weitere mögliche Fälle befinden sich derzeit noch in Abklärung.

WNV-Übertragung: Ein Kreislauf wird durchbrochen

Das West-Nil-Virus wird von blutsaugenden Stechmücken übertragen und zirkuliert in der Natur in einem Vogel-Stechmücken-Vogel-Kreislauf. Pferde und Menschen können sich mit dem Virus infizieren. Das Virus vermehrt  sich nicht in dem Maße, so dass von infizierten Personen oder Pferden keine direkte Infektionsgefahr ausgeht.

Das WNV zählt zu den zoonotischen Erregern. In Südeuropa ist es bereits im vergangenen Sommer zu zahlreichen Infektionen von Menschen gekommen. Vor allem Italien, Griechenland, Rumänien und Ungarn sowie weitere osteuropäische Staaten waren betroffen. Auch in Südfrankreich, Österreich und Tschechien traten Fälle auf.

Krankheitsverlauf oft symptomlos

Die WNV-Infektion beim Menschen verläuft in etwa 80 Prozent der Fälle symptomlos. Bei den übrigen treten zumeist nur leichte Krankheitssymptome wie Fieber und grippeähnliche Erscheinungen auf. Dieser klassische Verlauf der Krankheit wird deshalb auch als „West-Nil-Fieber“ bezeichnet. In weniger als einem Prozent der Infektionen kommt es zu einem schweren, hoch fieberhaften Krankheitsverlauf mit Meningitis oder Enzephalitis, der zu bleibenden neurologischen Schädigungen führen und in seltenen Fällen tödlich enden kann.

Folgen einer Infektion beim Pferd

Eine Infektion mit dem WNV bei den Pferden ist anzeigepflichtig. Bei Pferden verläuft eine WNV-Infektion häufig symptomlos, zum Teil treten fiebrige Allgemeinerkrankungen auf. Bei etwa acht Prozent der infizierten Pferde kommt es aber zum Teil zu schweren neurologischen Symptomen. Diese Verlaufsform geht dann auch mit einer hohen Sterblichkeit (Letalität) von ca. 30 – 50 Prozent einher. Überlebende Pferde können lebenslang unter Ausfallserscheinungen leiden.

Impfempfehlung

Pferde können gegen eine Erkrankung mit dem West-Nil-Virus durch Impfung geschützt werden. Mehrere Impfstoffe stehen zur Verfügung. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) hat infolge der Ereignisse eine Stellungnahme zur Impfung von Pferden gegen WNV erarbeitet. Darin empfiehlt sie, Pferde in bereits betroffenen Gebieten zu impfen. Die Grundimmunisierung sollte vor Beginn der nächsten Mückensaison abgeschlossen sein. Abhängig vom weiteren Seuchengeschehen sei mittelfristig eine flächendeckende Impfung von Pferden im gesamten Bundesgebiet anzustreben.

Was verbirgt sich hinter der Abkürzung StIKo Vet?

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) hat ihre Arbeit im Dezember 2015 am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) aufgenommen. Sie soll sich an der Tätigkeit der am Robert Koch-Institut angesiedelten entsprechenden Kommission für die Humanmedizin orientieren und weisungsunabhängig Empfehlungen speziell für den Einsatz von Impfstoffen in der Tiermedizin aussprechen. Unterstützt wird die Kommission von Arbeitskreisen, in denen weitere Experten für die unterschiedlichen Tierarten (Nutz- und Kleintiere) hinzugezogen werden.