08.05.2026

Tiergesundheit gestalten – Innovation, Sicherheit und Nachhaltigkeit im Fokus

  • Deutschland steht vor Herausforderungen durch komplexe Bürokratie und globale politische Unsicherheiten, die den Wirtschaftsstandort belasten.
  • Tiergesundheitsmarkt zeigt weiterhin stabiles Wachstum bei einem Gesamtumsatz (MAT) von über einer Milliarde.
  • Begleitung nationaler Gesetzgebung und EU-Vorgaben ist notwendig, um sicherzustellen, dass Innovationen gefördert, Bürokratie abgebaut und regulatorische Rahmenbedingungen harmonisiert werden.
  • Eine strategische Neuausrichtung der Tierseuchenbekämpfung mit stärkerem Fokus auf Prävention muss angestrebt werden 
  • Die Sicherstellung stabiler Lieferketten bei Arzneimitteln wie bei der Nahrungsmittelversorgung wird aufgrund zunehmender internationaler Krisen verstärkt sicherheitsrelevant.
  • Um die regelmäßige Versorgung der Tiere und die notwendigen Innovationen sicherzustellen, bleibt es für die veterinärpharmazeutische Industrie wichtig, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa deutlich zu stärken

Politisches Umfeld im Wandel: Zwischen Unsicherheit, Neuausrichtung und Handlungsdruck

Das politische Umfeld war durch die Regierungsneubildung mit komplexen Koalitionsverhandlungen und einem Reformwillen mit angezogener Handbremse geprägt. Dringend benötigte und durchgreifende strukturelle Reformen waren nicht erkennbar. In der neuen Legislaturperiode wurden bereits in der vorherigen Legislatur begonnene Gesetzesinitiativen wieder aufgegriffen, darunter insbesondere Änderungen am Tierarzneimittelgesetz (TAMG). Die Neuordnung der Zuständigkeiten im für die Branche wichtigen Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sollen Impulse zu weniger Bürokratie und Verbesserungen im Export setzen.

Auf internationaler Ebene beeinflusste die US-Präsidentschaft weiterhin maßgeblich die geopolitische Lage. Anhaltende Unsicherheiten in Bezug auf Handelspolitik und internationale Konflikte wirkten sich auch auf die Rahmenbedingungen für die Tiergesundheitsbranche und die für sie in vielen Facetten bedeutende chemische Industrie aus.

Vor diesem Hintergrund ist die Branche gefordert, internationale Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen, obwohl sie sich zugleich in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld bewegt, in dem verlässliche Rahmenbedingungen und ein investitionsfreundliches Klima dringend erforderlich wären.

Zugleich gewann das Thema Versorgungssicherheit zunehmend an politischer Bedeutung. Sowohl im Bereich der Arzneimittel als auch bei Lebensmitteln und Ernährung wird die Sicherstellung stabiler Lieferketten aufgrund zunehmender internationaler Krisen verstärkt als sicherheitsrelevant betrachtet.

Überbordende Bürokratie, steigende Kosten, Ausbrüche von neuen und alten Tierseuchen sowie steigende gesellschaftliche Erwartungen mit Blick auf Tierwohl, Klima- und Umweltschutz prägen den Alltag. Für die Tiergesundheitsindustrie als forschungsintensive und hochregulierte Branche werden jedoch die Schaffung innovationsfreundlicher und verlässlicher Rahmenbedingungen mit einem klaren Bekenntnis zum Innovationsstandort Deutschland dringend benötigt.

Darauf aufbauend können die Tiergesundheitsunternehmen Forschung und Entwicklung vorantreiben, um das Produktportfolio an Tierarzneimitteln, Impfstoffen und weiteren Lösungen für die Praxis stetig weiterzuentwickeln.

Das ist insbesondere dann wichtig, wenn innovative Impfstoffe oder Diagnostika schnell verfügbar sein sollen, wenn Zulassungsprozesse praxistauglicher gestaltet werden oder wenn es um ein realistisches Tiergesundheitsmanagement geht, das alle therapeutischen Optionen zur Verfügung hat.

Insbesondere Gesundheitslösungen für kleine Indikationsgebiete geraten zunehmend unter den Druck der bürokratischen Lasten.

Die Überwindung nationaler Sonderwege und eine konsequente 1:1-Umsetzung von EU-Recht, die Ermöglichung digitaler Packungsbeilagen (eLeaflet), die Möglichkeit, in begründeten Fällen Ware mit nicht-deutschsprachiger Kennzeichnung in den Markt zu bringen, der Abbau doppelter Meldepflichten – etwa im Bereich Antibiotika – sowie eine Flexibilisierung von Arbeitszeitenregelungen waren Forderungen der Branche.

Auch im Jahr 2025 blieb die Tierseuchensituation angespannt. Es kam zu Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche, ab Herbst zu einem massiven Seuchenzug der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI) sowie zu anhaltenden Fällen von Afrikanischer Schweinepest (ASP) und Blauzungenkrankheit (BTV). Im europäischen Umfeld traten zudem Lumpy Skin Disease (LSD), Newcastle Disease (ND) und Epizootische Hämorrhagie (EHD) auf. Diese Entwicklung machte deutlich, dass eine strategische Neuausrichtung der Tierseuchenbekämpfung mit stärkerem Fokus auf Prävention notwendig ist, da die Tötung großer Tierbestände wirtschaftlich und gesellschaftlich zunehmend nicht tragbar ist und die „social licence to operate“ gefährdet.

Entwicklung des Tierarzneimittelmarktes

 

Auch in 2025 lag der Gesamtumsatz (MAT) wie im Vorjahr über einer Milliarde. Das Verhältnis von Kleintier- zu Nutztiersegment bliebt mit 60,6% zu 39,4% weitgehend unverändert zum Vorjahr.

Der Tierarzneimittelmarkt in Deutschland wuchs in 2025 als Schätzung auf den Gesamtmarkt um 4,7% auf 1.098 Mio EUR. Auf die Teilmärkte entfielen mit 485.7 Mio EUR (+4,9) 44,2% auf Pharmazeutische Spezialitäten, 24,1 % auf Impfstoffe mit 264.8 Mio EUR (+11,3%), mit 199.7 Mio EUR (+0,3%) auf Antiparasitika 18,1 % sowie auf Antiinfektiva 13,4% mit 147.8 Mio EUR (-0,5%). 

Im Segment der Spezialitäten machten Therapeutika zur Schmerzkontrolle mit 129,1 Mio EUR (+4,3%), gegen Hauterkrankungen 65,4 Mio. EUR (+8,0%) sowie gegen Herz-Kreislauferkrankungen 37,4 Mio EUR (+8,2%) aus.

Das Marktwachstum wurde getragen durch die positiven Entwicklungen in der Prävention, besonders im Nutztiersegment. Einfluss nahm die Seuchensituation im Rinderbereich. Pferdehalter zeigten sich sensibel gegenüber dem zunehmenden Vorkommen des West-Nil-Virus. Insgesamt gestiegene Kosten der Pferdehaltung wirken sich jedoch dämpfend auf das Pferdesegment aus.

Die regelmäßige Gesundheitsvorbeuge und Fürsorge, insbesondere für das ältere Haustier trugen wesentlich zur Entwicklung im Kleintiersegment bei. Krankheitsvorbeuge durch Impfung und regelmäßige Parasitenkontrolle zeigten sich stabil. 

Die Entwicklung des Antiinfektiva-Segmentes weist darauf hin, dass in der veterinärmedizinischen Versorgung die Prinzipien der verantwortungsvollen Anwendung mit etablierten Anwendungsvorgaben und kontinuierlichem Monitoring tief verankert sind. 

In 2025 beeinträchtigten Schwierigkeiten des Bezugs von Ausgangsstoffen von Lieferanten außerhalb Europas die Liefersituation in den verschiedenen Segmenten. 

Der Tiergesundheitsmarkt kann auf eine stetig positive Entwicklung in vier Jahrzehnten der Marktbeobachtung blicken. Um die regelmäßige Versorgung der Tiere und die notwendigen Innovationen sicherzustellen, bleibt es für die veterinärpharmazeutische Industrie wichtig, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa deutlich zu stärken.



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Weitere Informationen:
Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
Martin Lohmann
E-Mail bft@bft-online.de

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