BfT Special Nr. 33 / Oktober 2004


AfT Sommersymposium - Arzneimittel, Impfstrategien und spezielle Krankheitsbilder beim Pferd

Die Akademie für Tiergesundheit veranstaltete ihr diesjähriges Sommersymposium in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse. Die Pferdegesundheit, der Status des Pferdes als Lebensmittel lieferndes Tier bzw. Hobbytier und die daraus resultierenden Betreuungs- und Behandlungsmodelle wurden ausführlich dargestellt.

Grundsätzlich wird das Pferd in der EU uneingeschränkt als Lebensmittel lieferndes Tier eingestuft. Dementsprechend fallen die für Pferde relevanten Arzneimittel unter die für Lebensmittel liefernde Tiere vorgeschriebenen Zulassungsanforderungen. Dies bedeutet insbesondere, dass vor einer Zulassung ein Verfahren zur Festsetzung von Rückstandshöchstmengen durchgeführt werden muss. Im Gegensatz dazu steht die Bedeutung von Pferdefleisch für den menschlichen Verzehr, der in Deutschland gegen Null geht. In Deutschland gehaltene Pferde nehmen vielmehr als Hobby- und Sportpferd einen besonderen Platz ein. Dementsprechend hat man hier mit der Einführung des Equidenpasses und der Festlegung „schlachtbar” und „nicht schlachtbar” einen Sonderweg beschritten, um notwendige Krankheitsbekämpfungsstrategien mit größeren Handlungsspielräumen umsetzen zu können. Neue Regelungen werden mit der Überarbeitung des europäischen Arzneimittelrechts eingeführt. Danach können künftig Produkte speziell für Hobby- und Sportpferde auch ohne Rückstandshöchstmenge zugelassen werden.

Schreckgespenst Kolik
Koliken gehören zu den schwerwiegendsten Erkrankungen beim Pferd. Zur Diagnose und Therapie stehen differenzierte Verfahren zur Verfügung. So werden neben der Untersuchung allgemeiner klinischer Parameter die rektale Untersuchung, die Magensondierung, die Bauchhöhlenpunktion und auch die Sonographie eingesetzt. Die klassische chirurgische Therapie erfolgt überwiegend durch Laparotomie in der Linea alba. Auch die Laparoskopie stellt eine sinnvolle Ergänzung der klassischen Methoden dar. Bei rechtzeitiger Entscheidung zur Therapie liegt die Erfolgsrate der Kolikchirugie bei operablen Fällen bei ca. 75-80%. Sind Darmresektionen erforderlich, sinkt die Prognose allerdings deutlich und beträgt nur noch ca. 50%.

Haltung entscheidet über Gesundheit
Sehr schwierig gestaltet sich häufig die Behandlung von Atemwegserkrankungen, eine vollständige Heilung der Krankheit ist in vielen Fällen nicht zu erreichen. Je nach Schwere der Erkrankung können aber so gute Ergebnisse erzielt werden, dass selbst Sportpferde in ihren Leistungen nur wenig eingeschränkt sind. Begleitende Therapiemaßnahmen spielen dabei eine große Rolle. In erster Linie sind die Haltungsbedingungen zu prüfen, so z.B. staubfreie Umgebung, Gruppenhaltung sowie ausreichend Bewegung. Entsprechender Medikamenteneinsatz hilft dann, den Gesundheitsstatus weiter zu verbessern bzw. zu stabilisieren.

Zucht stellt eigene Anforderungen
Ein weiteres Thema behandelte die speziellen Aufgaben des Tierarztes in der Pferdezucht. Besonderen Stellenwert haben hier das Fruchtbarkeitsmanagement von Hengst und Stute, die medizinische Betreuung tragender Stuten sowie die Versorgung der Fohlen. Die rechtzeitige und fachgerechte Trächtigkeitsuntersuchung ist dabei ein wesentliches, die Fruchtbarkeit verbesserndes Instrument im Rahmen des Zuchtstutenmanagements.

BU: Das Pferd im Mittelpunkt.
Das Brandenburgische Haupt- und Landesgestüt Neustadt/Dosse lieferte das passende Ambiente zum Thema