Die Chance, die gesamte Welt von der Tollwut zu befreien, wird als realistisch eingeschätzt

Die klassische Tollwut konnte in der Europäischen Union mit Hilfe vielfältiger Maßnahmen weitgehend zurückgedrängt werden. Weltweit spielt sie jedoch mit fast 60.000 Todesfällen bei Menschen, insbesondere in Afrika und Asien, noch immer eine bedeutende Rolle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Welttiergesundheitsorganisation (OIE) haben sich gemeinsam mit der „Global Alliance for Rabies Control“ das Ziel gesteckt, bis 2030 die Zoonose vollständig auszurotten. Für Europa sollte dieses Ziel schon 2020 erreicht werden, aber es bleibt weiterhin eine Herausforderung.

Die Tollwutbekämpfung in Europa kann zu Recht als Erfolgsmodell bezeichnet werden. Seit 2008 gilt Deutschland wie viele andere west- und mitteleuropäische Länder offiziell als frei von klassischer Tollwut. Für Menschen in Deutschland bestehen gegenwärtig erhöhte Infektionsrisiken fast nur bei Reisen in Länder mit endemischem Vorkommen der Tollwut. Risiken bergen aber auch illegale Hundeimporte. Mitte September 2021 kam es unerwartet seit vielen Jahren erstmals wieder zu einem Tollwutverdachtsfall bei einem Hundewelpen in Deutschland. Der Welpe wurde aus dem europäischen Ausland nach Deutschland gebracht. Im Test erfolgte ein Nachweis des Tollwut-Virus bei dem verstorbenen Hund. Alle Kontaktpersonen mussten notgeimpft werden. Bereits in der Vergangenheit war es vereinzelt zu Tollwutfällen bei importierten Hundewelpen gekommen.

Wichtige Bausteine der erfolgreichen Bekämpfungsstrategie sind die Anzeigepflicht, regelmäßige Impfungen von Hunden, Regelungen zum Reiseverkehr und die Tierseuchenüberwachung sowie die flächendeckende Köderimpfung bei Füchsen. Schutzmaßnahmen sind weiterhin notwendig, um eine Wiedereinschleppung der Seuche beispielsweise durch Wildtiere oder illegal eingeführte Hunde aus Tollwutgebieten zu vermeiden. Die Beseitigung der Tollwut ist in Mitgliedstaaten der EU, die gemeinsame Grenzen mit Ländern mit Wild-Tollwut haben, schwieriger. Gemäß dem Europäischen Zoonosen-Bericht (ECDC/EFSA, 2019)  beharrte die Tollwut in sylvatischen Reservoiren wie Füchsen (Polen, Rumänien). Während in 2017 und 2018 die Zahl der Fälle in Füchsen sehr niedrig blieb, häufen sich seit Anfang 2021 Tollwutfälle bei Wildtieren, insbesondere bei Füchsen, aber auch Marderhunden in der Wojewodschaft Masowien, die außerhalb des bisherigen Impfgebietes in Polen liegen. Kontrollmaßnahmen wurden ergriffen und es wurde zur Impfung von Katzen und Hunden aufgerufen. Die Europäische Kommission wird weiterhin die erfolgreichen Programme in den EU-Mitgliedstaaten und in Grenzgebieten zu Drittländern unterstützen. 

Man geht davon aus, dass zur sicheren Elimination der Tollwut rund 70 Prozent aller Hunde geimpft sein müssen. Dieser Wert ist beispielsweise in Osteuropa noch nicht erreicht. Hier spricht man von einer Impfabdeckung von 63 Prozent. 

Besondere Herausforderungen sind auch alternative dezentrale Nachweisverfahren sowie die Überwindung logistischer Probleme (fehlende Infrastruktur, Laborkapazitäten, mangelnde Kontrollmöglichkeiten) vor allem in Afrika. 

Die „Verwandten“ der klassischen Tollwut

Tollwut (Rabies) ist eine lebensgefährliche Zoonose. Überträger des klassischen Tollwut-Erregers, des Rabies-Virus aus der Gattung der Lyssa-Viren, sind Säugetiere wie Füchse oder Hunde. Mögliche Überträger mit Vektorkompetenz können auch invasive Spezies wie der Waschbär sein. Neben der klassischen (terrestrischen) Tollwut kommen weltweit auch bei einigen Fledermausarten verwandte Tollwutviren vor. In Europa handelt es sich hier um die Europäischen Fledermaustollwutviren (EBLV) 1 und 2, die auch auf den Menschen übertragen werden können. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern wurde das Vorkommen von verschiedenen Lyssaviren bei Fledermäusen nachgewiesen. Im Jahr 2019 kam es in Frankreich zu einer Infektion eines Menschen mit dem EBLV1. Der letzte durch einen Fledermausbiss verursachte humane Todesfall in Europa trat, nach Angaben des Robert-Koch-Institutes - 2002 in Schottland auf. Dennoch bleibt als wichtige Vorsichtsmaßnahme, insbesondere kranke und verhaltensauffällige Wildtiere nicht anzufassen.



 

 

Abdruck

Abdruck Text und Foto
(nur in Verbindung mit dieser Meldung)
honorarfrei bei Quellenangabe.

Weitere Informationen:
Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
Dr. Sabine Schüller
E-Mail bft@bft-online.de