Schafe und Ziegen im Fokus

Schafe und Ziegen werden in Deutschland zunehmend in Nebenerwerbsbetrieben oder als Hobbytiere gehalten, eine gewisse Bedeutung haben sie in der ökologischen Landwirtschaft und für den Naturschutz.

Im allgemeinen Ranking spielt die Ziege vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern als „Kuh des kleinen Mannes“ nach wie vor eine wichtige Rolle. Rund 93 Prozent aller Ziegen werden in Afrika und Asien gehalten, der Weltbestand liegt um die eine Millionen Tieren, mit steigender Tendenz. Spitzenreiter in Europa sind Griechenland, Spanien und Frankreich. In Deutschland sind es laut Thünen-Institut 240.000 Ziegen, davon rd. 60.000 zu landwirtschaftlichen Zwecken. Rückläufige Zahlen sind dagegen weltweit bei Schafen zu verzeichnen. Derzeit geht die FAO von etwa 1,1 Milliarden Schafe aus. In Deutschland sind es aktuell 1,6 Millionen (2018) Schafe.

Schafe und Ziegen als Zoonose-Überträger

Trotz der geringen Tierzahlen spielen Kleine Wiederkäuer als Infektionsquelle für den Menschen eine Rolle. So wird in Deutschland die Mehrzahl der Q-Fieber-Erkrankungen auf Infektionen durch Schafe zurückgeführt. Ein regelmäßiges Monitoring der Bestände, verbunden mit Hygienemaßnahmen, ist deshalb empfehlenswert. Die Impfung positiver Bestände und ggf. eine antibiotische Behandlung sind möglich. Landwirte, Schäfer, Schafscherer sowie Tierärzte gehören zu dem besonders gefährdeten Personenkreis gegenüber der Infektion.

Auch das in Schafbeständen weit verbreitete Lippengrindvirus kann auf den Menschen übertragen werden und schmerzhafte, schlecht heilende Infektionen an den Händen verursachen.

Der Aborterreger Chlamydophila (Chl.) abortus ruft beim Menschen grippeähnliche Symptome hervor. Bei Schwangeren kann er ebenfalls zu Aborten führen. Nicht selten stellen die Kleinen Wiederkäuer eine Gefahr für Rinder dar, weil sie bei einigen Infektionen keinerlei klinische Symptome zeigen, während die Infektion bei Rindern tödlich endet, wie beispielsweise beim Bösartigen Katarrhalfieber. Oder die Symptome sind bei den Kleinen Wiederkäuern so mild, dass sie leicht übersehen werden, wie das bei der Maul- und Klauenseuche der Fall ist.

Neue Infektionserkrankungen im Auge behalten 

Durch die schnelle Verfügbarkeit einer Impfung und der hohen Impfmoral der Schafhalter konnte die Blauzungenkrankheit, nachdem sie in 2006 erstmals auch in Deutschland auftrat, erfolgreich bekämpft werden. Aktuell ist die durch kleine, blutsaugende Mücken (Gnitzen) übertragene Infektion der Wiederkäuer aber wieder zurück. Durch das wärmere Klima treten zunehmend bisher „exotischen“ Virusinfektionen auch hierzulande auf. In 2011 wurde mit dem Schmallenberg-Virus, ebenfalls durch Gnitzen übertragen, eine weitere Erkrankung nach Deutschland eingeschleppt, die insbesondere bei tragenden Schafen und Kühen zu Fruchtbarkeitsproblemen und missgebildete Lämmer oder Kälber führen kann. Insbesondere bei Weidehaltung der tragenden Tiere sollte die Impfung in Betracht gezogen werden. Mit sinkender Zahl geschützter Tiere in unserer Region steigt die Gefahr für einen erneuten Seuchenzug.

Werden Impfstoffe nicht regelmässig benötigt muss ein zum Teil mehrmonatiger Vorlauf für die Produktion entsprechender Impfstoffe berücksichtigt werden.  Wichtig sind daher frühzeitige und verbindliche Informationen, welche Impfstoffmengen benötigt werden. Impfstoff- oder Antigenbanken, wie beispielsweise bei der Maul- und Klauenseuche unterhalten, können auf Basis vertraglicher Vereinbarungen helfen, im Fall eines Ausbruchs oder eines erhöhten Seuchenrisikos schneller zu reagieren.

Ein gewisses Risiko der Einschleppung von Infektionserregern besteht darüber hinaus für Schafe wie Ziegen auch bei der Spring- oder Drehkrankheit (Louping Ill), dem zoonotischen Rifttalfieber und der Pest der Kleinen Wiederkäuer.


Quelle: AnimalhealthEurope Grafik: BfT

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Dr. Sabine Schüller
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