23.02.2026

Hintergrundinformation: Zecken bei Hunden und Katzen - Warum Vorsorge für Tier und Mensch wichtig bleibt.

Zecken gehören heute fast das ganze Jahr zum Alltag. Durch milde Winter und längere Aktivitätsphasen steigt das Risiko eines Zeckenstichs für Hunde und Katzen deutlich. Zecken können bereits ab etwa +7°C aktiv werden. Die Wiesenzecke (früher auch als Auwaldzecke bezeichnet) ist besonders kältetolerant und kann auch noch bei Temperaturen um +4 °C bzw. nächtlichem Bodenfrost aktiv sein. 

Warum Zeckenschutz so wichtig ist

Zecken übertragen verschiedene Erreger wie Borrelien, Anaplasmen und – für den Hund besonders relevant – Babesien. Hierbei handelt es sich um einzellige Blutparasiten. Die durch Babesien ausgelöste Babesiose, früher vor allem als Reiseerkrankung bekannt, ist heute in vielen Regionen Deutschlands heimisch geworden. Verantwortlich ist vor allem die als Überträger dienende Wiesenzecke, die sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet hat und in ganz Deutschland, auch im Norden, zu finden ist. Bei Katzen wird die Babesiose in Deutschland bisher nur sporadisch beobachtet. Symptome und Behandlung sind der Babesiose beim Hund sehr ähnlich.

One Health: Gesundheit für Mensch und Tier

Zecken und die von ihnen übertragenen Erreger sind aber nicht nur ein Risiko für das Tier. Sie können auch für den Menschen relevante Erreger in sich tragen, vor allem das Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Erreger der Borreliose, sogenannte Borrelien. Da sich Zecken zwischen Wildtieren, Haustieren und Menschen bewegen können, steigt das Risiko für Infektionen deutlich – ein konsequenter Zeckenschutz ist daher wichtiger denn je.

Wirksamer Zeckenschutz: Welche Möglichkeiten gibt es? 

Für Hunde und freilaufende Katzen ist ein durchgehender Zeckenschutz besonders sinnvoll. Grundsätzlich stehen zwei Schutzprinzipien zur Verfügung: Präparate, die Zecken abwehren (repellieren) und so bereits den Stich verhindern, sowie systemisch wirksame Akarizide, die Zecken schnell und sicher nach dem Anheften abtöten. 

Es gibt verschiedene Darreichungsformen wie Spot-on, Halsbänder oder auch Tabletten oder (für Hunde) Injektionen. Die Wirkdauer reicht – je nach Wirkstoff – von einigen Wochen bis zu einem Jahr. Entscheidend ist, die Mittel regelmäßig und entsprechend den empfohlenen Intervallen anzuwenden, damit der Schutz ohne Lücken aufrechterhalten bleibt. Die meisten Präparate bieten zusätzlich Wirkung gegen weitere Ektoparasiten (z.B. Flöhe und Milben) und zum Teil auch Endoparasiten, was je nach Lebensstil des Tieres (z.B. geplante Auslandsreisen, enges Zusammenleben mit kleinen Kindern oder immungeschwächten Personen, Freigang bei Katzen) von Vorteil sein kann. Ein individuell passender Zeckenschutz wird idealerweise in der Tierarztpraxis ausgewählt.

Tägliches Absuchen: wichtig und einfach

Auch bei guter Prophylaxe bleibt das tägliche Absuchen wichtig. Zecken sitzen besonders häufig: 

  • An Kopf, Ohren und Lefzen
  • An Hals, Brust und Achseln
  • Am Bauch, in den Leisten und an Innenschenkeln
  • Zwischen den Zehen
  • Bei Katzen oft zusätzlich am Nacken und Bauch

Je früher eine Zecke entdeckt wird, desto geringer das Infektionsrisiko.

Zeckenstich – was tun?

Wird eine Zecke gefunden, sollte sie schnell entfernt werden:

  • Zeckenzange hautnah einsetzen
  • nicht drehen, nicht quetschen 
  • Einstichstelle danach desinfizieren 

Bleibt ein kleiner Rest stecken, ist das meist unproblematisch. Ein Tierarztbesuch ist sinnvoll, wenn die Stelle stark gereizt ist, sich entzündet oder wenn das Tier Auffälligkeiten wie Fieber, Mattigkeit oder Lahmheiten zeigt.

Infektionsrisiken nach dem Zeckenstich – Wie schnell wird es gefährlich?

Ein Zeckenstich stellt grundsätzlich ein relevantes Infektionsrisiko dar, da verschiedene Erreger während des Saugaktes übertragen werden können. Faktoren wie Zeckenart, Entwicklungsstadium, Umwelteinflüsse und die Dauer der Blutmahlzeit beeinflussen das Risiko maßgeblich. Wird die Zecke beim Blutsaugen gestört, kann dies die Abgabe von Erregern sogar beschleunigen. Daher sollte jeder Zeckenstich als potenziell infektiös bewertet werden.

Fazit

Zecken sind heute eine ganzjährige Herausforderung. Ein konsequenter, durch den Tierarzt / die Tierärztin individuell abgestimmter Zeckenschutz, tägliches Absuchen und ein schnelles, korrektes Entfernen reduzieren das Infektionsrisiko deutlich – insbesondere in Regionen, in denen die Babesiose mittlerweile als etabliert gilt. Zeigt ein Tier nach einem Zeckenstich Auffälligkeiten, sollte nicht abgewartet werden: eine frühzeitige tierärztliche Abklärung ist entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden.

Stand 23.02.2026

Frühdiagnostik zählt: So werden Infektionen abgeklärt

Weil Zecken ganzjährig aktiv sein können, spielt eine gezielte Diagnostik bei potenzieller Infektion eine zentrale Rolle – insbesondere dann, wenn ein Tier Symptome zeigt oder sich in einem bekannten Risikogebiet aufgehalten hat. Typische Anzeichen für eine mögliche zeckenübertragene Erkrankung sind Fieber, Müdigkeit, Appetitverlust, Bewegungsstörungen oder blasse Schleimhäute. Für Babesiose ist eine frühzeitige Diagnostik besonders entscheidend, da eine schnelle Therapie die Chancen auf eine vollständige Erholung deutlich verbessert. 

Bluttests (z.B. Antikörpertests) können Hinweise auf einen Kontakt mit Erregern geben. Diese Tests weisen bei den meisten zeckenübertragenen Erregern (z. B. Anaplasma, Ehrlichia, Borrelia) Antikörper nach. Antikörper bedeuten jedoch häufig lediglich einen Kontakt mit dem Erreger in der Vergangenheit und nicht zwingend eine aktuell behandlungsbedürftige Erkrankung. Ein positives Testergebnis bei einem klinisch unauffälligen Tier ist daher oft kein Grund für eine sofortige Therapie, sondern ein Hinweis, weitere Befunde zu berücksichtigen (z. B. klinische Symptome, Verlauf oder einen Bestätigungstest). Zusätzliche Blutuntersuchungen (sog. Blutbild, Blutchemie) liefern bestimmte Indizien und Informationen über Veränderungen im Körper (Blutarmut, Entzündungsmuster, erhöhte Leber- oder Nierenwerte), die mit einigen Erkrankungen assoziiert sein können. 

Umgekehrt kann ein Antikörpertest zu Beginn einer Infektion noch negativ ausfallen, da die Bildung von Antikörpern (Serokonversion) bis zu etwa drei Wochen dauern kann. Wenn Klinik und Befunde den Verdacht auf eine frühe zeckenübertragene Erkrankung stützen, wird häufig zusätzlich eine PCR-Untersuchung im Labor durchgeführt, bei der Erreger-DNA direkt nachgewiesen wird. Zum direkten Nachweis von bestimmten Erregern gehört auch eine mikroskopische Untersuchung von Blutausstrichen. Je nach klinischer Situation kann bereits vor Vorliegen aller Ergebnisse eine gezielte Therapie eingeleitet werden, die die Erfolgschancen erhöht. Entscheidend ist immer die gemeinsame Bewertung von Testergebnis, klinischem Bild und Vorgeschichte.


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Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
Dr. Sabine Schüller
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