Umfangreiches Regelwerk

Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung – ein Faktencheck

Die Zunahme antimikrobieller Resistenzen stellt das Gesundheitswesen vor eine große Herausforderung. Die Tiergesundheitsindustrie sieht es als wichtige Aufgabe an, Verantwortung wahrzunehmen und zur Kontrolle der Resistenzentwicklung beizutragen, um Antibiotika als effektives therapeutisches Mittel bei Mensch und Tier zu erhalten.

Eine pauschale Reduktion der Antibiotikaeinsatzmenge ist nicht gleichzusetzen mit einer Vermeidung von Resistenzen. Dies könnte sogar das Gegenteil bewirken. Wesentlich ist es, Antibiotika zielgerichtet einzusetzen, um zur Resistenzvermeidung und zur Lebensmittelsicherheit beizutragen.

In der Diskussion oft vergessen

Mit öffentlichen und privatwirtschaftlichen Maßnahmen wird die Resistenzentwicklung bei Bakterien engmaschig kontrolliert. So umfasst die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) der Bundesregierung Maßnahmen zu wichtigen Ansatzpunkten für die Human- und Tiermedizin. Diese reichen von der Erfassung der in der Veterinärmedizin verbrauchten Antibiotikamengen über Einschränkungen und Leitlinien zur Abgabe und Anwendung bis hin zum Resistenzmonitoring und der Erfassung von Resistenzdaten bei der Zulassung von Tierarzneimitteln.

Wer therapiert wie?

Die Meldung der Abgabemengen und die Bestimmung von Therapiehäufigkeiten auf Basis der Verbrauchsmengenerfassung von Antibiotika, eingeführt mit der Änderung des Arzneimittelgesetzes (16. AMG-Novelle) sind seit 2014 Bestandteil der Strategie zur Kontrolle der Resistenzbildung. Es wird die Therapiehäufigkeit im individuellen landwirtschaftlichen Betrieb ermittelt und ein Benchmarking zwischen vergleichbaren Betrieben durchgeführt. Betriebe, in denen die Tiere überdurchschnittlich häufig behandelt wurden, müssen abgestuft Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit ihrer Tiere zu verbessern und dadurch den Antibiotikaverbrauch zu senken. Betriebe mit hohem Antibiotikaverbrauch sind verpflichtet...
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Den Bakterien auf der Spur

Europaweites Monitoring bakterieller Resistenzentwicklung – 40.000 Bakterienstämme schon erfasst

Bereits seit 1998 beschäftigt sich die veterinärpharmazeutische Industrie unter dem Dach des Centre Européen d‘Etudes pour Santé Animale, CEESA, intensiv mit dem Thema Resistenzmonitoring. Es hat dazu vier Programme aufgelegt, die sich mit bakteriellen Erregern (Infektionen bei Mensch und Tier) sowie mit Kommensalen (Bakterien, die in Koexistenz mit dem Wirt leben) als Indikatorbakterien beschäftigen. 40.000 Bakterienstämme konnten auf diesem Wege bereits erfasst werden.

Die vier Programme richten sich auf die Untersuchung der Empfindlichkeit von zoonotischen Bakterien und Kommensalen von gesunden Nutztieren, wichtigen bakteriellen Krankheitserregern von Nutztieren, im speziellen auch Mykoplasmen sowie auf die Untersuchung der Empfindlichkeit von bakteriellen Krankheitserregern von Hobbytieren.

Es sind dies im Einzelnen:

  • Das EASSA-Programm, das sich auf Salmonella spp., Campylobacter spp. sowie auf die Indikatorkeime Escherichia coli und Enterokokken erstreckt.
  • Das Programm VetPath, das bedeutende bakterielle Krankheitserreger bei Rind, Schwein und Geflügel umfasst. Am umfangreichsten sind bislang die Erkenntnisse um die Erreger zu respiratorischen Infektionen und zur bovinen Mastitis.
  • Ein spezielles Programm wurde zu Mykoplasmen unter dem Namen MycoPath initiiert. ComPath schließlich ist die erste europaweite Sammlung von Isolaten erkrankter Hunde und Katzen.

Die Arbeit von CEESA zeigt, dass auf spezielle Fragestellungen abgestimmte Resistenzmonitoring-Programme in der EU durchführbar sind. Standardisierte, quantitative Methoden und zentralisierte Empfindlichkeitsbestimmung ermöglichen die Vergleichbarkeit der Ergebnisse.

Die Programme liefern zusätzliche Resultate aus Deutschland, welche die bisherigen Daten des GERM-Vet-Programmes ergänzen. Auf Basis der wissenschaftlich fundierten antimikrobiellen Untersuchungsmethodik und -beurteilung wird die Zulassung und Anwendung von Antibiotika bei Tieren im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs unterstützt. Die Gesamtergebnisse sind dabei von epidemiologischer Bedeutung.

Ein Übersichtartikel ist in der Fachzeitschrift "Der praktische Tierarzt" 2017 erschienen. DOI-Nummer: 10.2376/0032-681X-17-49


Antibiotikaabgabemengen stark rückläufig

Tierärzte setzen deutlich weniger Antibiotika ein. Seit 2011 wurde die Menge um rd. 61 Prozent reduziert. Durch ein umfassendes Tiergesundheits- und Hygienemanagement kann der Landwirt mit seinem betreuenden Tierarzt Krankheiten verhüten. Dies dient dem Tierwohl und der nachhaltigen Produktion sicherer Lebensmittel. Folgende Grafik verdeutlicht die Reduktion der Antibiotikaabgabemengen durch Minimierungskonzepte, die auf den Prinzipien des verantwortungsvollen Umgangs mit Antibiotika fußen. Hier finden Sie auf der Internetseite vom BVL die aktuellen Zahlen...


Mastitisbehandlung und Trockenstellen unter Antibiotikaschutz von Milchkühen

In jüngerer Zeit wurde die Anwendung von Antibiotika bei Kühen insbesondere zum Ende der Laktation kritisiert und in den Zusammenhang mit der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen beim Menschen gestellt. Wichtige Gründe, die Zusammenhänge genauer zu betrachten.

Eine Mastitis, sprich Euterentzündung, ist eine ernste und akut meist sehr schmerzhafte Infektion für die Milchkuh und bedarf der Therapie. Bei einer Mastitis ist, neben anderen Symptomen, die Zellzahl der Milch erhöht. Dies wird als Indikator benutzt, um Mastitiden zu erkennen. Grobsinnlich veränderte Milch, z.B. mit Flocken oder mit erhöhtem Zellgehalt geht nicht in den menschlichen Verzehr. Man unterscheidet infektiöse und nicht-infektiöse Mastitiden. Verursacher von infektiösen Mastitiden sind vornehmlich Bakterien. Die Therapie erfolgt daher auch mit Antibiotika.

In der Trockenstehperiode, d.h. in der Zeit in der die Kuh keine Milch gibt, bereitet die Kuh die kommende Laktation vor. In dieser Zeit ruht das Drüsengewebe und Entzündungen und eventuell bestehende Infektionen können ausheilen. Das Euter muss aber gleichzeitig vor dem Risiko von Neuinfektionen geschützt werden, die in der folgenden Laktation zu Entzündungen führen könnten.

Lesen Sie hier den kompletten Bericht.

So viel wie nötig und so wenig wie möglich!

Antibiotika sind ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung bakterieller Infektionen - auch bei Tieren.

Die Tiergesundheitsindustrie setzt sich nachdrücklich für den verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika ein.

Video (YouTube)



Verpflichtungen und Maßnahmen bei Antibiotikaeinsatz

In einer Erklärung zu "Verpflichtungen und Maßnahmen bei Antibiotikaeinsatz" hat HealthforAnimals, der Weltverband der Tiergesundheitsindustrie fünf grundlegenden globale Prinzipien für die Verwendung von Antibiotika beschrieben. Diese Erklärung wird von Organisationen unterstützt, die mehr als 200 Unternehmen und 700.000 Tierärzte weltweit vertreten.


European Antibiotic Awareness Day

In jedem Jahr zum  "European Antibiotic Awareness Day" Mitte November lenken verschiedene Institutionen die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung des verantwortungs-
vollen Umgang mit Antibiotika gelegt. Auch der europäische Tiergesundheitsverband AnimahealthEurope, in dem der BfT Mitglied ist, weist auf die vielfältigen Aktivitäten der Tiergesundheits-
industrie zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz hin.


Verantwortungsvoller Einsatz von Antibiotika - EPRUMA Leitfaden

Der Leitfaden der europäischen Plattform für den verantwortungsbewussten Einsatz von Tierarzneimitteln, EPRUMA behandelt Grundlagen der Antibiotikatherapie sowie Grundsätze bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten und der Anwendung antimikrobieller Wirkstoffe bei Lebensmittel liefernden Tieren in der EU. Der Leitfaden richtet sich an Tierärzte und Tierhalter gleichermaßen.


Fahrplan zur Reduzierung des Antibiotikabedarfs

Die HealthforAnimals-Roadmap umreißt die Vision der Tierarzneimittelindustrie zum Erhalt wirksamer Antibiotika und zeigt, wie eine verbesserte Prävention, Erkennung und Behandlung von Tierseuchen den Bedarf an Antibiotika senken und gleichzeitig das Wohlergehen der Tiere schützen kann. Der Plan sieht 25 messbare Maßnahmen vor, die die Mitglieder des Weltverbandes bis 2025 verbindlich erreichen wollen, um dieses Ziel zu unterstützen.

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Weitere Informationen:
Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
Dr. Sabine Schüller
E-Mail bft@bft-online.de